Frohes neues Jahr! З новым годам!

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Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr! Mögen alle eure Wünsche in Erfüllung gehen.

Nachdem mich in den letzten Tagen viele gefragt haben, wie eigentlich Weihnachten in Belarus gefeiert wird, beschreibe ich mal wie es in unserer Familie abläuft- ich denke, wie auch in Deutschland hat jede Familie ihre eigenen Traditionen.

Weihnachten am 24. und 25. Dezember, wie wir es in Deutschland kennen, wird in Belarus kaum gefeiert. Das große Fest, auf dass sich alle Kinder freuen, ist Novy God, also der 31.Dezember. Das liegt wahrscheinlich daran, dass religiöse Feiertage in der Sowjetunion nicht gefeiert werden durften. Der letzte Abend des Jahres ist ziemlich vollgepackt und wird im Gegensatz zu unserem Silvester stets im Familienkreis gefeiert. Frühestens nach 24 Uhr gehen junge Leute zu ihren Freunden, um zu feiern. Einige Familien machen einen Ausflug zum großen Tannenbaum auf dem Oktoberplatz (dem “Haupttannenbaum des Landes”, wie die Plakate ihn anpreisen).

Es gibt den traditionellen Tannenbaum (“Jolotschka”), der meistens künstlich und aufklappbar ist, und mit bunten blinkenden Lichterketten behangen ist. Ist in der Wohnung genug Platz, tanzt man einen Karavod, also Ringelreihen, um den Tannenbaum und singt das Lied vom kleinen Tannenbaum. Ist nicht genug Platz, tanzt man um den vollbeladenen Esstisch (siehe unten).

Väterchen Frost alias Ded Moroz und seine Enkelin Snegurotschka kommen zu den Familien mit Kindern (meisten ein Nachbar, der Onkel, oder der Vater, der sich unter einem Vorwand aus der Wohnung geschlichen hat). Die Kinder und alle, die Geschenke haben wollen, müssen dann Gedichte aufsagen.

Ideal

Ideal


Realität

Geschenke werden übrigens meisten nicht verpackt, sondern in Plastik- oder Geschenktüten gesteckt. Das Überraschungsprinzip scheint hier nicht angewendet zu werden: Jeder weiß, was er bekommt, und der Preis wird auch nicht entfernt. Man darf also die Mütze, die einem Ded Moroz bringt, vor dem Fest schon anschauen und gegebenfalls vorher umtauschen.

Wie so oft ist das wichtigste an Silvester das Essen. Hauptsache ist, dass der Tisch sich biegt und dass es viele verschiedene Speisen gibt. Grundsätzlich muss man noch eine Woche nach dem Fest von den Resten leben können.

Drei Dinge gehören grundsätzlich auf einen Neujahrstisch:

  • der russische Kartoffelsalat Olivié

  • der Salat “Hering im Pelzmantel”

  • Mandarinen

In Belarus ist es Tradition, sich auch am chinesischen Kalender zu orientieren. Mit Accessoires und Speisen möchte man das Tier, in dessen Zeichen das nächste Jahr steht, wohlwollend stimmen. Das letzte Jahr war das Jahr des weißen Hasen, also gab es auf den Tafeln viel Rohkost, im Tannenbaum hingen Möhren und Gurken, und meine Schwiegermutter und ich trugen Hasenohren im Playboy-Häschen-Style.


Dieses Jahr wird das Jahr des schwarzen Drachen, also sollte es scharfe Speisen geben und die Frauen sollten wenn möglich glitzernde und schwarze Kleidung tragen.

Der Abend vergeht also recht kurzweilig, man verabschiedet das alte Jahr und “trifft” das neue, und unweigerlich kommt der Moment, in dem man im Staatsfernsehen die entsetzliche schrille Neujahrsschau anschauen muss. Kurz vor Mitternacht wird dann die Ansprache des Präsidenten ausgestrahlt und nach dem Countdown um 12 Uhr folgt dann die Nationalhymne, die alle zusammen singen.

Dann wird mit Sowjetskoe Schampanskoe und/oder Wodka angestoßen und Sahnetorte gegessen. Anschließend, meistens erst gegen ein Uhr oder halb zwei, gehen einige auf die Straßen, um ein privates Feuerwerk zu veranstalten. Das große zentrale Feuerwerk findet erst um 3 Uhr statt, und das ist auch der einzige Abend im Jahr, an dem die U-Bahn nach ein Uhr nachts noch fährt.

Am nächsten Tag, dem 1.Januar, schläft man aus, und entweder beginnt jetzt ein Marathon an Festtagseinladungen, bei dem es immer dasselbe gibt: Reste von Olivié, Hering unterm Pelzmantel und Sahnetorte, oder man zieht seinen Pelzmantel an und flaniert durch den Gorkipark, wo das traditionelle Neujahrspopkonzert stattfindet.

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3 Gedanken zu „Frohes neues Jahr! З новым годам!

  1. Pingback: Wiedersehen macht Freude | Nadine's Blog

  2. Pingback: Santa Traditions | Martinis at The Blue Max

  3. Nicht nur die Metro, sondern auch Trolleybusse und Busse… In Selyoniy Luk ist sonst rund um Mitternacht Schluß.

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