Interview für gazetaby.com

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Während unseres Aufenthaltes in Minsk habe ich einem belarussischen Journalisten, der exzellent deutsch spricht und auch selbst schon in Deutschland gearbeitet hat, ein Interview gegeben.

Wir haben uns im Café Ў getroffen und dann in Minsk noch ein paar Fotos gemacht.

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Es war mein erstes Interview, das ich auf belarussisch gegeben habe und es hat ziemlich gut geklappt. Netter Weise haben Portale wir charter97 und sogar tut.by den Artikel übernommen.

Ein Mal so ein Presseerfolg in Deutschland, das wäre doch was!

Für alle, die Belarussisch sprechen, gibt es hier den link zum Interview:

http://gazetaby.com/cont/art.php?sn_nid=116807

Leider ist Geburtstag nur ein Mal im Jahr

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„Mama, ich habe das Campingklo umgeworfen, aber nur das Pipi ist rausgeflossen. Kannst du das wegmachen? Achja, und dann gebe ich dir dein Geschenk. Das Bild habe ich gestern gemalt und wusste eh nicht, wem ich es schenken soll.“

So begann mein Geburtstag im Dorf am Ende der Welt. Äußerst vielversprechend. Zum Glück sah ich dann den Strauß mit den Wiesenblumen, die der beste Ehemann mir gepflückt hatte, und meine Laune besserte sich sofort.

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Blaubeeren sammeln im Wald

Auch wenn das Dorf nun einen Wasseranschluss hat- bis ins Haus ist dieser Luxus noch nicht gekommen. Diese Großbaustelle wird erst nach unserer Abfahrt eingerichtet, wofür ich recht dankbar bin. Witziger Weise war genau bei unserer Ankunft auch das warme Wasser in unserem Stadtteil in Minsk abgestellt, so dass das Dorf für einmal der Stadt an Komfort weit voraus war.

Damit das Kind nicht auf den Hof zur Toilette laufen muss, gibt es bis zur Einrichtung des Badezimmers nachts noch das Campingklo. Wenn wir im Winter nach Minsk fahren, wird das nicht mehr notwendig sein. Dann nehme ich ein Vollbad im gefliesten Badezimmer mit Fußbodenheizung. Abgefahrene Vorstellung.

Pilze

Ausbeute eines Morgens

Der Geburtstag war einer der entspanntesten in meinem ganzen Leben. Wir haben absolut nichts gemacht, außer im Fluss zu schwimmen, ein paar Johannisbeeren zu sammeln, mit den Lieben zu Hause zu skypen (noch so eine Neuerung im Dorf!) und abends viel und gut zu essen. Es gab neben Schaschlik und Salat auch eine Spezialität meines Schwiegervaters: „Julienne“. Das sind geschmorte Pilze in Sahnesauce und es schmeckt sehr, sehr, lecker. „Keinen Salat Olivié soll es geben“, fragte Sascha dennoch entgeistert. Das gehört für ihn zu einem Festtagstisch wie ein ordentlicher Trinkspruch.

Mein Schwiegervater sammelt in den letzten Tagen Unmassen von Pilzen – zu irgendetwas muss das feuchte Wetter ja gut sein-, die er dann säubert und trocknet oder einlegt. Das ganze Haus riecht nach Trockenpilzen, ein Geruch, der ziemlich an Schweißfüssen erinnert. Sind die Pilze (vor allem Steinpilze!) getrocknet, eignen sie sich allerdings hervorragend für Saucen, Suppen und andere köstliche Gerichte.

„Sascha, du magst doch gar nicht so gerne Pilze“, sagt Tamara irgendwann händeringend beim Anblick der Pilze überall: Im Kühlschrank, in jedem freien Topf, auf dem Feuer, auf dem Tisch, auf den Boden. „Naja, aber es macht einfach so viel Spaß, sie zu sammeln“ sagt Sascha mit leuchtenden Augen und steht am nächsten Morgen wieder um fünf Uhr auf, um als erster die besten Steinpilze zu erwischen. Gute Pilzsammelstellen werden als strategisches Geheimis gehütet und nicht weiter verraten!

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Julienne

Während des Essens stand ich ab und an auf dem einzigen Hügel des Grundstücks auf dem ich Handyempfang habe, und konnte bruchstückhafte Gratulationen aus Deutschland entgegennehmen. Es gab ganz entspannt bloß zwei Trinksprüche und gar keinen Wodka, und statt eines Geburtstagskuchens haben wir Wassermelone und Plombir-Eis gegessen.

Am Ende des Tages stand ich alleine zum Zähneputzen im Hof und beobachtete den Sternenhimmel. Als ich eine Sternschnuppe sah, die vor meinen Augen vom Himmel fiel, dachte ich an das Lied des Krokodils Gena, jenes bekannteste Geburtstagslied. Er spielt auf einer Ziehharmonika und singt: „Leider ist Geburtstag nur ein Mal im Jaaaahr“.

 

 

 

Dorffest am Ende der Welt

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Jedes Jahr am 12. Juli feiert Slabada, das Dorf am Ende der Welt, sein Dorffest.

Der Pfarrer hält eine Andacht am Dorfanfang, es folgt eine Prozession zum Dorfende (beide erkennt man an einem orthodoxen Kreuz, das mit Seidenblumen geschmückt ist), und dann gibt es manchmal einen Umtrunk.

In diesem Jahr ging man es besonders professionell an, und auf dem „Dorfplatz“, dem Platz vor dem stillgelegenten Geschäft, fand ein Konzert statt.

Die in der Gegend bekannte Gruppe „Zhuravinka“ (Moosbere)trat auf, es gab einen Rückblick auf die Geschichte des Dorfes. Alle Dorfbewohner und Sommergäste fanden sich zusammen und man hatte sogar eine Verstärkeranlage aufgebaut!

Das alles in einem Dorf mit 50 Bewohnern, von dem die überwältigende Mehrheit kein fließendes Wasser hat (in Belarus gibt es übrigens noch immer 110 Dörfer ohne Strom- bis vor wenigen Jahren waren es noch 240 an der Zahl.

Der Jüngste Bewohner von Slabada ist übrigens 4, der Älteste angeblich 112.

Neben musikalischen Gratulationen hielt die lokale Nomenklatura (Vorsitzende des Dorfrates) eine Rede, danach wurde getanzt und ein Foto von allen Bewohnern des Dorfes gemacht. Naja, und danach ein bisschen angestoßen.

Mama-Vertalotschik- Helikoptermama im Dorf

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Nachdem die Formalitäten  in der Stadt erledigt waren, machten wir uns sofort auf den Weg ins Dorf.

Seitdem wir dort angekommen sind, bin ich dabei, mein kleines, quirliges Kind vor scheinbar fatalen Unfällen zu bewahren. Vor drei Jahren, als Kasimir im selben Alter war, war das weniger stressig. Das mag daran liegen, dass der Prototyp Kind  weniger draufgängerisch war als das Nachfolgermodell.

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Das Dorf- ein einziger Abenteuerspielplatz

Und dass ich, nun aus Deutschland anreisend, damals als quasi-Belarussin einiges lockerer gesehen habe. Mein Kind ist in diesem Jahr das einzige, das mit Fahrradhelm im Dorf Fahrrad fährt und nicht ohne Kindersitz in ein Auto steigt. Die einzigen Modelle von Matschhosen führen meine beiden Kinder hier spazieren. Und abwaschbare Hosen sind unerlässlich! Völlig eingedeutscht bin ich also wieder. Diese Entschuldigung akzeptieren sie übrigens alle. Ein bedauerndes „Ich bin Deutsche, ich kann nicht anders“, finden vom Taxifahrer über den Schwiegervater bis hin zur Babuschka im Dorf alle völlig einleuchtend als Erklärung für meine Übervorsicht. Ich frage mich, ob eine Helikoptermutter auf Russisch wohl eine „Mama- Vertalotschik“ wäre.

Naja, und es hat sich in drei Jahren den Gesetzen des homo sovieticus folgend hier so einiges an Gefahrengut angesammelt. Weggeschmissen wird ja bekanntlich nichts.

Und so fürchte ich sämtliche herumliegende Stromkabel, die aus dem Boden ragen. („Geerdet ist hier gar nichts!“) Ich frage mich, ob die Erde, die als Spielsand dient, wirklich völlig bedenkenlos zu nutzen ist im Land von Tschernobyl. Ich zittere, wenn Paulina alleine in der Küche ist, weil dort der Gasballon steht. Oder wenn sie in die Nähe des Brunnens kommt. Ich frage mich, ob man den Sandkasten wirklich neben die Feuerstelle bauen musste. Auf dem großen Gelände verliere ich sie dauernd aus den Augen und fürchte, dass sie in einen der überall herumstehenden Wasserbehälter fällt  (Wasser ist ein kostbares Gut!) oder auf die Straße läuft und von einem der fünf Autos, die das Dorf am Tag passieren, erfasst wird. Die rasen nämlich gerne mit 90 Sachen über die Dorfstraße.

Total unentspannt bin ich mal wieder und mein Verhalten ist dem Leben auf dem Dorf auch überhaupt nicht angemessen.

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Hier ist alles eben etwas anders. Man nimmt es nicht so genau mit den meisten Dingen. Gestern Abend haben wir Fleisch gegrillt, das den lieben langen Tag draußen stand und mariniert wurde. Ich fürchtete eine Unterbrechung der Kühlkette und ihre Konsequenzen- aber das Fleisch war sehr lecker und keiner hatte Magenprobleme.

So ein Wodka nachher räumt den Magen auf.

Mein Schwiegervater, der Oberst der belarussischen Armee, findet zwar nichts bei all den offenen Feuern, wackeligen Steckdosen und rostigen Nägeln- aber wenn die Enkelprinzessin weint, springt er sofort zur Stelle, um die Ecke am Tisch abzusägen, an der sie sich das Köpfchen gestoßen hat. Rührend, irgendwie.

Und ich erkläre weiter geduldig, was natürlich alle hier auch selbst wissen: Dass man Kleinkinder nicht über Brunnenschachte hält und eine herumliegende Axt kein gutes Spielzeug für Zweijährige ist.

„Das Kind mit sieben Kindermädchen hat keine Augen“, sagt ein belarussisches Sprichwort.

Wie blutige Anfänger

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Wir sind wieder in Belarus!

Allerdings begann der Aufenthalt dieses Mal unter ganz anderen Vorzeichen.
Bisher hatte ich eine Aufenthaltsgenehmigung, die ich mir ja im Jahre 2007 nach der Hochzeit mit viel Einsatz verdient hatte. Nachdem wir geheiratet haben, hatten wir einen riesigen Packen an Dokumenten in der zuständigen Behörde abgegeben, ich ließ meinen Fingerabdruck in der belarussischen Verbrecherkartei und bekam einen gratis Schwangerschaftstest in der Poliklinik. Das gesamte Prozedere könnt ihr in aller schönen Ausführlichkeit in „Liebesgrüße aus Minsk“ nachlesen.

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Lebe und bluehe ewig, Belarus! (Aus der Nationalhymne)

 

Viele Jahre lang war ich unglaublich cool, wenn die Zugbegleiter oder Stewardessen fragten, wer eine Migrationskarte bei der Einreise benötigt. Mit „Vid na zhitelstvo“ , also der grünen Aufenthaltsgenehmigung, die fortan meinen Pass für das Leben in Belarus ersetzte, war ich ein Ausländer erster Klasse. Dass ich die ersten Jahre noch ein 150 Euro teures Multivisum kaufen musste, um das Land auch wieder verlassen zu dürfen, sah ich als unfreiwillige humanitäre Hilfe.

Als wir dann von Belarus nach Deutschland emigrierten, kam irgendwann der Tag, an dem der geliebte grüne Ersatzpass annuliert wurde. Denn wie mit einer deutschen Aufenthaltsgenehmigung soll man sich mindestens 180 Tage im Jahr im Land befinden, damit er seine Gültigkeit nicht verliert.
Meine Schwiegereltern mussten mir also eine Einladung ausstellen, wir ein Visum beantragen, eine Versicherung besorgen und bei der Einreise eine Migrationskarte ausfüllen. Wie so blutige Anfänger!

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Obststand in der belarussischen Hauptstadt

In die Migrationskarte trägt man ein, wie man heißt, unter welcher Adresse man sich anmelden wird, die Aufenthaltsdauer und wer die einladende Person ist. Einen Durchschlag behält der Grenzbeamte, der andere wird in den Pass gelegt und darf unter keinen Umständen verloren gehen, sonst gibt es mächtig Ärger und eine Geldstrafe bei der Ausreise.

Übrigens kann ich an dieser Stelle vermerken, dass es nicht mehr wie früher ein großes Heckmeck ist, eine deutsche Reisekrankenversicherung zu finden. Vor zehn Jahren gab es eine einzige Versicherung, die Sovag, die von der belarussischen Botschaft wegen eines Kooperationsvertrages anerkannt wurde. Heute tat es meine ganz normale, ohnehin vorhandene Reiseversicherung.

Am ersten Morgen in Minsk, noch mit dem Kater des verlorenen Fussballhalbfinalspiels in den Knochen, machten wir uns auf den Weg zur Migrationsbehörde des Rajons, um mich zu registrieren.
Dort warteten wir mit einem nach Amerika emigrierten Russen und einem Afghanen, dass die Damen, die für die Registrierung der Ausländer zuständig sind, ihre ewige Kaffeepausen beenden und sich ihrer Arbeit zuwenden.

Als wir endlich an der Reihe waren, bekamen wir ein Formular, füllten es aus, gingen zur nächsten Bank, bezahlten die Summe, die eine Registrierung kostet, gingen zurück, warteten, gaben die Dokumente ab, warteten wieder, und bekamen nach nicht einmal zweieinhalb Stunden dann auch schon die Registrierung, den Stempel auf der Migrationskarte. Wenn man sich nicht registriert, droht eine Strafe, also muss sich jeder Ausländer, der länger als fünf Werktage im Land bleibt und nicht in einem Hotel wohnt, das sich um diese Formalität kümmert, dieser Prozedur unterziehen.

Wir haben übrigens nun herausgefunden, dass man die Prozedur effizienter gestalten kann: In den Banken wissen die Angestellten, wie hoch die Gebühr ist, die man für die Registrierung bezahlen muss. Also kann man sich den Beleg schon vorher besorgen und mit den anderen Dokumenten abgeben. Für den nächsten Aufenthalt haben wir auch schon ein Blankoformular mitgenommen, so dass wir Weihnachten nur den Packen an Dokumenten abgeben müssen. Dann fühlen wir uns vielleicht nicht mehr wie Belarus- Anfänger im Bürokratie-Dschungel.

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Nach dem Nationalfeiertag: „Das Militaer ist fuer die Parade bereit“/ „Wir sind Belarussen, freidliche Leute“ – Aufmacher zweier grosser Tageszeitungen

Dennoch ist das Ganze eine unangenehme und unnütze Formalität, die man direkt zu Beginn des Aufenthaltes erledigen muss. Bereits am ersten Tag kommt man so mit dem unangenehmsten Teil des belarussischen Systems in Berührung: Der langwierigen, ineffizienten Bürokratie. Die Registrierung ist stricto senso eigentlich nicht notwendig, weil man ja bereits bei der Einreise in einer Computerdatenbank erfasst wird und die Datenbanken der Miliz, bei der man sich registriert, und jene der Grenzbeamten miteinander verbunden sind.

Das Tourismusministerium hat bereits gefordert, dass die Registrierung abgeschafft werden soll oder erst nach einem dreißigtägigen Aufenthalt nötig wird. Das wäre eine Maßnahme, die sicherlich dazu beitragen würde, dass Belarus ein noch attraktiverer Urlaubsort würde. Wir zumindest würden uns freuen.

Neue Rubelchen in Belarus

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Alle sind ganz aufgeregt. Ab dem heutigen Tag, dem 1.Juli 2016, gibt es in Belarus neues Geld. Im Zuge der Währungsreform werden alte Belarussische Rubel (BYR) gegen neue (BYN) im Verhältnis 10 000:1 getauscht. Ich muss gestehen, dass ich schon seit ein paar Jahren den Überblick über den Wechselkurs verloren habe und vor jeder Reise Aliaksei oder Oanda frage, wie denn aktuell der Kurs lautet.

Zuletzt war der kleinste Schein ein grüner 100 Rubel-Schein (also ich 2006 nach Belarus kam, lag der Wechselkurs bei 1 Euro : 2700 BYR und es gab noch 10 Rubel-Scheine!) und der Wechselkurs lag bei einem US-Dollar zu ca. 22 300 BYR. Damit befand sich die belarussische Währung in der guten Gesellschaft der Währungen des Iran, des Vietnam und Laos.

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Infografik von BelTA. Links das neue, rechts das alte Geld. Sieht fast aus wie der Euro.

Nach der fortschreitenden Inflation vor allem seit 2011 hat man sich entschieden, nun ein paar Nullen zu streichen, damit die Preise nicht gar so verwirrend sind. Nicht nur ist es schwer, im alltäglichen Leben einen Wocheneinkauf mit hunderttausenden von Rubeln zu bezahlen, auch wirkt eine derartige Währung etwas… abschreckend auf Investoren und internationale Geschäftspartner.

Für Touristen war es natürlich im ersten Moment ein schönes Gefühl, 100 Euro zu tauschen und im Gegenzug Millionär zu sein. Wer aber dann versucht hat, das Restgeld für eine 10.000 Rubel kostende Falsche Wasser in seinem Portemonnaie zu verstauen, hat schnell verstanden, dass es nicht besonders praktisch ist, eine Währung zu haben, für die man in den Supermarkt am Besten eine Plastiktüte für das Restgeld mitnimmt.

Leider ist die belarussische Wirtschaft ja nun nicht eine der stabilsten der Welt und handelt es sich hier seit der Unabhängigkeit der Republik Belarus, also seit 25 Jahren,  um die dritte Denominierung. Bereits 1994 und 2000 hatte man aufgrund der Inflation Nullen gestrichen und das Land hatte nun bereits mehr Währungen als Präsidenten. Einzig Belarus und Simbabwe haben drei Mal ein und die selbe Währung denominiert.

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So war es bis gestern im Supermarkt. Comic von etobelarusdetka.com

Die Tatsache, dass nun Münzgeld ausgegeben wird ist allerdings ein Novum in der Geschichte der Unabhängigkeit von Belarus. Münzen (Kopeken) gab es zuletzt in der Sowjetunion, was nun die Medien dazu führt, die Preise  in Belarus 2016 mit jenen zum Ende der Sowjetunion zu vergleichen. Um dann zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass man eigentlich weder die Währung, noch die Wirtschaftslage, noch das Warenangebot vergleichen kann.

Ab heute nun entspricht ein Euro dann also 2 BYN und 20 Kopeken. Oanda konnte mir gerade noch keinen aktuellen Wechselkurs für die neue Währung verraten. Ich bin gespannt, wie lange sich dieser Kurs halten mag. Bis Ende des Jahres wird das alte und das neue Geld parallel verwendet, ab 2017 gilt nur noch die neue Währung.

Die Belarussen nehmen mit mehr oder weniger Wehmut Abschied von ihrem alten Geld und sind vor allem über eines traurig: Dass sie nun keine nominalen Millionäre mehr sind. Zumindest für die nächsten paar Jahre.

 

 

 

 

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#AusziehenundArbeiten

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Belarus ist oft wegen eher unangenehmer und nicht unbedingt spaßiger Sachverhalte in der Weltpresse vertreten. Diese Woche gibt es aber auch mal etwas Lustiges zu berichten.

#‎раздеватьсяиработать‬, Инна Омельянович

#‎раздеватьсяиработать‬, Инна Омельянович

Der belarussische Präsident Aliaksandr Lukaschenka hat mit einem Verhaspler während einer Rede zur Wirtschaftslage für einen Internetflashmob gesorgt, der sein Land nun weltweit in die Schlagzeilen und Social-Media Rankings bringt.

Er redete über neue Technologien, in denen Belarus übrigens spitze ist. Belarussische „IT-schniki (sprich: Eitischniki)“ sind auf der ganzen Welt nachgefragt. Die Entwickler von Viber und der App „Masquerade“ zum Beispiel stammen aus Belarus.

Wie dem auch sei, bei der rasanten Entwicklung sei es wichtig, so sprach das Staatsoberhaupt in der sommerlichen Hitze der letzten Woche, „sich auszuziehen und zu arbeiten“. Er sagte „распранацца і працаваць“ und meinte sehr wahrscheinlich „sich entwickeln“, was sich ganz ähnlich anhört.

#‎раздеватьсяиработать‬, Beitrag der Deutschen Botschaft in Minsk

Sein treues Völklein nahm ihn beim Wort und postet seitdem unter dem hashtag „ausziehenundarbeiten bzw #раздеватьсяиработать Fotos von sich selbst bei der Arbeit- splitterfasernackt.

Diese Bilder kommen aus Startups, Bars- und sogar die Deutsche Botschaft in Minsk erfreute ihre Follower mit einem „Nacktbeiderarbeit“-Foto.

Nun muss man sagen, dass viele Belarussen wie ich finde außerordentlich gut gebaut sind- es gibt also sicher weitaus schlimmere Flashmobs, vom ästhetischen Gesichtspunkt aus gesehen, meiner Meinung nach.

Mittlerweile sind die Temperaturen wieder gefallen, allerdings bereitet sich Belarus nun auf die anstehende Währungsreform vor, die mit dem 1.7. in Kraft tritt. Dazu gibt es natürlich in den nächsten Tagen hier noch weitere Informationen.

Und jetzt: Ausziehen und weiterarbeiten!