15.5.2011: ESC: Anastasiya Vinnikova singt ‚I love Belarus‘

Eigentlich war der Eurovision Song Contest kein Event, für das ich mich besonders interessiert habe- bis ich nach Belarus kam und 2007 gemerkt habe, dass es anscheinend noch Länder gibt, in denen sich Menschen diese Veranstaltung ernsthaft anschauen (für alle, die es schon nicht mehr wissen: das war Prä-Lena, damals hat sich Deutschland regelmäßig ernsthaft blamiert, so dass man als Deutscher meistens den Fernseher verhangen hat, um das Elend nicht mitzuerleben).

Dieses Jahr schwante mir schon in Deutschland, dass Belarus dieses Mal etwas ganz besonderes zu bieten hat. Nach den peinlichen Schmetterlingen im letzten Jahr – ich meine, sie sind sogar letzte geworden, oder?- gab es diesmal wie aus so vielen Ländern auch aus Belarus einen Lena- Verschnitt. Bloß dass die belarussische Version, Lukaschenkas Lena, wie Benjamin Bidder vom Spiegel so schön schrieb, ein Lied mit dem unglaublichen Titel „Born in Bielorussia“ sang.

Als ich dieses Lied zum ersten Mal höre, packt mich das kalte Grausen. Dieser Männerchor! Und der Text? Warum singt sie Bielorussia, wenn zumindest auf Englisch die meisten Leute so langsam verstanden haben, dass das Land Belarus (und nicht Biélorussie und nicht Weißrussland und schon gar nicht White Russia) heißt? Dann habe ich gelernt: Weil sich Anastasiya an das schöne Leben in der Belorussischen Sowjetrepublik erinnert. Dass sie 1991 geboren ist, schien keinen zu stören, schon gar nicht in der seltsamen belarussischen Ausgabe von „Unser Song für Düsseldorf“ in der das Lied angeblich von einer Jury ausgewählt wurde.

Liavon Volski, belarussischer Musiker und Blogger, veröffentlichte eine Version, die einen daran erinnerte, dass es in diesem Land auch noch intelligente, selbstironische Menschen mit Humor gibt. Seine Parodie auf das Lied finde ich brilliant.

Text und Melodie wurden dann vor dem Auftritt in Düsseldorf noch einmal geändert- in „I love Belarus“, was natürlich um Längen besser ist. Dieses Lied wirkte angesichts der politischen und wirtschaftlichen Situation im Lande, die in den westlichen Medien ja durchaus aufgegriffen wird, derart deplaziert, dass Belarus für den Spott in der Bericherstattung nicht extra sorgen musste.

Ein Journalist schrieb entkräftet: „Ich meine, sie hätte ja zumindest ‚I love Mikhail‘ in Anspielung auf den belarussischen Premierminister Mikhail Mjasnikovich singen können. Das wär auch ziemlich patriotisch gewesen, aber vielleicht nicht ganz so offensichtlich!“.

Dass das Lied dann am Ende nicht über das 2. Halbfinale hinauskam, lag nach Lukaschenkos Einschätzung keinesfalls daran, dass es einfach abgrundtief schlecht war, sondern daran, dass es sich um eine Verschwörung des Westens gegen Belarus handelte. Er wusste immerhin im Voraus, dass Belarus für den 6. Platz im Finale vorgesehen war…

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