26.05.2011 Hamsterkäufe und Preispanik in Minsk?

Wo sich zwei Leute in Minsk treffen, geht es im Moment nur um eines: die steigenden Preise. Sogar die Gespräche der Babuschki, die immer vor unserem Haus auf der Bank sitzen, kreisen nur noch darum, wie viel ein Kilo Apfelsinen kostet oder wieviel man für Bananen bezahlt hat.

(Das weiß ich, weil sie wirklich alt sind, dementsprechend laut schreien,  so dass ich bequem von jedem Raum der Wohnung hören kann, was sie besprechen. Zu Anfang dachte ich, dass sie sich streiten, aber nein, das ist alles ganz freundlich gemeint.)

Bereits zu Anfang hatte ich ja beschrieben, dass die Preise im Militärstädtchen in Minsk mich wirklich geschockt haben. Im Zentrum von Minsk sah es schon etwas besser aus: die Preise sind hier niedriger, die Qualität der Lebensmittel besser- umso mehr, als wir auf dem Kamarovka-Markt einkaufen gehen.

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Kamarovka  ist der größte Markt in Minsk, aufgeteilt in eine große Markthalle, in der man Brot, Fleisch- und Milchprodukte kaufen kann und mit riesigem Obst- und Gemüseangebot draußen. Die Lebensmittel sind frisch und günstiger als in den Geschäften.

Dennoch sind auch hier die Preise innerhalb von einer Woche dramatisch gestiegen: Während letzte Woche ein Kilo Kiwis noch 8000 BYR kostete, waren es diese Woche schon 14.000 BYR. Die Trockefrüchteverkäufer überkleben einfach nur noch die Preise. Diese steigen anscheinend so schnell, dass es sich nicht lohnt, neue Schilder anzufertigen.

Was vor allem steigt, sind die Preise für Importprodukte. Als wir ankamen, habe ich für 500g Tiefkühlgemüse 5000BYR bezahlt, nun sind sie, meistens aus Polen importiert, nicht mehr unter 8000 BYR zu bekommen.

Anscheinend gibt es wirklich Hamsterkäufe im ganzen Land: Die Menschen kaufen Salz, Nudeln, Öl und Streichhölzer ( ich habe bis jetzt nicht wirklich verstanden, zu welchem Zweck man Streichhölzer hortet) auf Vorrat. Diejenigen, die noch ein paar mehr Rubel gespart haben, haben wohl in den letzten Tagen alles an Kühlschränken und Fernsehgeräten aufgekauft, was im Land noch zu haben war.

Verständlich, wenn, wie bei einigen, der Lohn von 800$ Anfang des Jahres auf nun 250$ fällt. Obwohl in meiner Familie bisher die Meinung vorherrscht, es sei nicht notwendig, säckeweise Zucker und Salz einzulagern muss ich gestehen, dass ich gestern zumindest Nivea-Schampoo gekauft habe. Dieses sollte nämlich ebenfalls aus den Regalen verschwinden- und den belarussischen Produkten vertraue ich nicht vollständig (Ich weiß, dass es Menschen gibt, die auf Bielita schwören. Ich nicht.).

Schokolade, Milchprodukte, Kaffee und Tee sind definitiv um ca. 50% im Preis gewachsen in den letzten Wochen.

Hamsterkäufe in Minsk- Foto der Deutschen Welle

Dennoch habe ich das Gefühl, dass einiges Panikmache ist- angeblich kosten heimische Radieschen mehr als importierte Kokosnüsse- aber es kommt immer darauf an, wo man einkauft. In Supermärkten sind Artikel tendenziell teurer als auf dem Markt.Ich habe in Minsk noch kein einziges leeres Regal gesehen, und auch keinen Minsker, der hamstert- aber ich war auch in keinem Hypermarkt und in nicht im Elektrogeschäft.

Das Problem ist, dass die Löhne der Belarussen nicht an die Entwertung und an die steigenden Preise angepasst werden. Unter diesen Umständen ist es verständlich, dass sie sich sorgen, wie sie sich nun ernähren sollen- zumal die meisten Datschas außer ein bisschen Petersilie noch nicht viel hergeben. Ich habe mich schon unter normalen wirtschaftlichen Umständen gefragt, wie die Leute hier überleben können. Jetzt ist es mir ein Rätsel.

Aus einem Land kommend, in dem die Inflationsrate zwischen 1 und 2% liegt, vermittelt es mir ein Gefühl von Unsicherheit, dass man nicht weiß, wie die Preise noch weiter steigen. Dadurch, dass es im Moment so viele verschiedene Wechselkurse gibt, ist mir auch nicht klar, wie ich genau den Preis eines Produkts errechnen soll. Durch den Dollarkurs teilen? Durch den Eurokurs teilen?

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie die Preise auf dem Kamarovka-Markt bei meinem nächsten sonntaglichen Einkauf gestiegen sind.

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