Ich liebe die Liebe, die Liebe liebt mich…

…und der, der mich liebt, hat mir heute schon Blumen geschenkt! Es ist nämlich Valentinstag!

Traditionell feiern die Belarussen Valentinstag eigentlich nicht. Statt diesem Tag gibt es hier den Männertag (23. Februar) und den internationalen Frauentag am 8. März. Damit sind sie hier eigentlich gut beschäftigt. Was an diesen Tagen so ansteht, berichte ich dann, das ist nämlich eine Story für sich.

Mittlerweile hat auch der Valentinstag in Belarus Einzug gehalten. Zusammen mit Schogetten, litauischer Salami und sauren Gurken aus Vietnam. Man scheut sich eigentlich hier nicht mehr vor vielem, zumindest nicht, wenn man Geld damit machen kann. Sogar im Supermarkt, der immer und immer nach Fisch riecht, weil es sich um einen ehemaligen Fischladen handelt, hängen rote Herzchenluftballons.

Dabei sind die Belarussen in Liebesdingen von sich aus eher nicht sehr romantisch. Eher ist es hier so, dass die Ehen zwischen Mann und Frau pragmatisch oder aus Versehen geschlossen werden. Das geht nämlich hier so:

Ein Junge lernt ein nettes Mädchen kennen. Die beiden „gehen spazieren“, treffen sich im Park, er schenkt ihr eine Rose in goldenem Zelophanpapier. Man lotet sich auf Ehetauglichkeit aus, und wenn man sich gegenseitig für passend befindet/ wenn das Mädchen ungeplant schwanger wird, stellt man einander den Eltern vor und heiratet. Es ist nämlich keinesfalls so, dass man hier ein(e) Freund(in) mit zu seinen Eltern nimmt, bevor man weiß, dass er oder sie die Auswerwählte sind. Vor der Verlobung trifft man sich ausschließlich im Park und knutscht auf Parkbänken, und das sommers wie winters.

Pussieren auf der Parkbank
Pussieren auf der Parkbank

Da mich über diese subtilen interkulturellen Spielregeln niemand unterrichtet hatte, dachte ich an jenem schönen Abend im Oktober vor vielen Jahren, ich würde bei Aleksejs Eltern Tee trinken. Alle anderen Anwesenden wussten, was ich nicht ahnte, nämlich dass wir quasi verlobt und ich auserwählt war.

Meistens geht dann alles ganz schnell, es wird geheiratet, und 9 Monate später kommt ein in Rüschen eingewickeltes neues Belarussenkind an. Ist das nicht so, gibt es stattdessen bohrende Fragen und indiskrete Trinksprüche von seiten der Möchtegern-Großeltern („Hiermit trinken wir darauf, dass Natascha und Dima es in diesem Jahr endlich hinkriegen, uns den lang ersehnten Enkel zu schenken“).

Das ist der gesittete Fall. Ansonsten gibt es noch 3 Variationen:

Sind der Junge oder das Mädchen über 25, pressiert es. Es wird nicht ganz so genau geprüft, man hat es eilig. Ab allerspätestens 27 gilt man hier als alte Jungfer und als „polnischer Kavalier“. Die Eltern schütteln bedauernd den Kopf und sehen sich im Geiste auf ewig mit dem schwer vermittelbaren Kind zusammen wohnen (O-Ton meine Schwiegermutter am letzten Sonntag: „Weißt du noch? Vor zwei Jahren hast du gesagt, ich soll mir keine Sorgen wegen Sasha machen, er sei ja noch so jung. Und jetzt?!!“ Anmerk. d. Autorin: Klein-Sasha, so wird er gemeinhin genannt, wird dieses Jahr 30). Frauen gelten ab 25 als spätgebärend („Lena muss sich ja auch mal beeilen mit Kinderkriegen, die ist jetzt 26!“).

Zwischen 25 und 30 macht man also besser hinne mit dem Heiraten.

Ab 30 sind nämlich die meisten Frauen auf dem Markt geschieden und haben ein Kind. Das nimmt man als Mann hier auch nicht so gerne. Oft paart sich dann der polnische Kavalier mit der geschiedenen Frau, die meistens zuerst zu der letzten Gruppe gehörte:

Zaletnaja- die Frauen, die ungewollt schwanger wurden. Das passiert hier ziemlich oft, weil man in der Schule nicht richtig aufgeklärt wird („Also, man nimmt immer die Anti-Baby-Pille an dem Tag, an dem man Sex haben will?“-Anonymus ) und es auch nicht ganz einfach ist, sich die Pille als Unverheiratete verschreiben zu lassen. Und das mit den Kondomen vergisst man auf der Parkbank schonmal. Dann wird also geheiratet, wohl oder übel. Ziemlich oft gehen die Ehen dann in die Brüche und die Frauen sitzen da mit ihren Kindern und warten auf die polnischen Kavaliere.

Überhaupt gehen hier viele Ehen in die Brüche. Das kann man verstehen, wenn man das Xjuscha-Phänomen kennt. Und wenn man sich belarussische Männer mal näher anguckt. Die sind nämlich en gros nicht besonders attraktiv, nachdem sie das erreicht haben, was ihre Eltern von ihnen erwarten: Heiraten, Wohnung kaufen, Enkel zum Angeben in die Welt setzen. Sie werden dann bierbäuchig, faul, verlieren ihre Haare und riechen schlecht.

Ohje, wie unromantisch ich heute bin!

Hier schon mal ein Disclaimer: Mein Mann riecht ganz prima, hilft viel im Haushalt und ist ja überhaupt der „belarussische Adonis“. Und das wurde ihm sogar von hoher diplomatischer Seite aus bestätigt.

5 Comments

  1. wie kam es dazu, dass du dich so gut in den bestimmten gruppen der belarussen und ihren liebes- und ehesitten auskennst? ich dachte immer, dein bekannschaftskreis in by sieht schon anders aus!? rtl2 schöpft wohl bei dir die ideen für die soap mit osteuropäischen frauen und deutschen männern ; ) http://www.rtl2.de/85231.html

    1. Ach, liebes Hannachen, du bist schon so lange weg aus Belarus, dass du wohl gar nicht mehr weißt, wie mein Bekanntenkreis aussieht! Und keine Sorge, dich meinte ich bestimmt nicht, obwohl du „noch immer nicht“ verheiratet bist!

  2. Liebe Nadine,
    ich glaube es wird Zeit für Dich, dass der lange Winter endlich ein Ende hat und Du mit meinem Enkel (sei’s gedankt – es hat geklappt bevor du 30 bist) ein wenig die Frühlingsluft schnuppern kannst!!
    Hab Dich lieb meine Sonne,
    Deine Mama

  3. Liebe Nadine,
    wie wahr beschreibst du die Situation mit Ehe und Liebe. Bin selbst 25, also das kritische Alter für eine belarussische Frau. Fast alle meine Freundinnen sind schon seit langem verheiratet, haben 1 bis 3 Kinder. Diejenigen, die nicht verheiratet sind, sind deswegen frustriert. Die erste Frage beim Treffen nach dem üblichen „wie geht´s?“ ist „bist du schon verheiratet?“.

  4. Liebe Nadine,
    ich bin auf deinen Blog gestoßen und finde ihn super! Ich wohne ebenfalls in Minsk, bin Deutsche und habe im Oktober entbunden! Meld dich doch mal per Mail, wenn du Lust hast, mal was zu unternehmen!
    LG
    Tini mit Klein Carla!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s