Tag der Verteidiger des Vaterlandes

In der vergangenen Woche gab es einen der wichtigsten Feiertage im ganzen belarussischen Jahr: Männertag. Der Tag der sowjetischen Armee und der Verteidiger des Vaterlandes. Der Tag, an dem sich alle Männer in Belarus mal so richtig männlich fühlen dürfen.

Der Tag, an dem die Frauen den Männern „ugshchenie“, also eine Bewirtung bereiten, der Wodka in Strömen fließt und die Frauen nachher das Gelage aufräumen. Wer jetzt denkt, das wäre an den restlichen 364 Tagen im Jahr ebenfalls so, täuscht sich natürlich gewaltig.

In der Sowjetunion, als noch klar war, wer Gut und Böse ist, und als Valentinstag noch eine kommerzielle Erfindung des Kapitalismus war, hat man verschiedene Feiertage eingeführt, damit der Sowjetbürger vor lauter Arbeiten das Feiern nicht verlernen möge.

Damit es wie immer gerecht zugeht, hat jede Berufsgruppe ihren eigenen Feiertag bekommen. Unser Abreißkalender zeigt also den Tag des Bankbeamten, des Angestellten der Hühneraufzucht, des Feuerwehrmanns. Irgendjemanden in einem der Berufsfelder, die an den ca. 278 Berufsfeiertagen gefeiert werden, kennt man immer, so dass es quasi täglich einen Grund gibt, ein Fläschen Wodka zu zücken. Und wenn man am Tag des Traktoristen nur auf den verstorbenen Großcousin anstößt, der immerhin in irgendeiner Kolchose Traktor gefahren ist.

Ideale Frau für den Vaterlandsverteidiger
Ideale Frau für den Vaterlandsverteidiger

Der wichtigste Feiertag ist natürlich auch der der angesehensten und wichtigsten Menschen: Jener der Sowjetarmee, und somit der Verteidiger des Vaterlandes. Den ersten Sieg der sowjetischen Armee bei Pskow am 23.2.1918 hat man zum Gedenktag für die Armee umfunktioniert. Irgendwie halten sich anscheinend sämtliche Männer für Vaterlandsverteidiger, denn am 23. Februar lassen sie sich alle feiern, auch jene, die niemals in einer Armee gedient haben.

Die Gratulationskarten haben Panzerhologramme und Kalaschnikows aufgedruckt und für einen Tag glauben die Seitenscheitelträger mit den beigen abgewetzten Hosen und den weißen, vorne spitzen Krokomusterschuhen, dass sie die Helden sind, die an diesem Tag verehrt werden.

Es gibt ein festgelegtes Ritual, wie sie gefeiert werden: Eben mit üppigem Essen, der Erlaubnis zum Betrinken, und Geschenken. Geschenkt werden traditionell Socken und Rasierschaum, weshalb mein Schwager den 23. Februar auch zum „Feiertag des Rasierschaums“ erklärt hatte. Nun habe ich hier schon einige Männertage mitgemacht.

Im ersten Jahr habe ich ihn ignoriert, was gar nicht so prima ankam. Im zweiten Jahr habe ich das gemacht, was alle machen: Meinem Mann Socken und Rasierschaum gekauft und eine Torte. Anstelle der schwarzen Einheitssocken, die Mann hier trägt, habe ich Socken in allen Farben des Regenbogens ausgewählt. Da man das hier an einem Verkaufsthresen und nicht an einem Wühltisch macht, und da die Schlange an den Sockenständen ab dem 20. Februar immer ziemlich lang ist, habe ich sehr deutlich gehört, wie die pelzbemützte Dame hinter mir ziemlich laut sagte: „Der arme Mann, bedny muzhik, der das anziehen muss!“.

Selbstbild der belarussischen Männer am 23.Februar
Selbstbild der belarussischen Männer am 23.Februar

Gelernt habe ich auch, dass man eine Torte besser nicht am 22.2. kauft. Das tun nämlich alle Frauen. Die Schlange vor dem Tortenladen ging wie in den schönsten Sowjetzeiten bis auf die Straße, und als ich dran war, gab es keine Torten mehr.

Dieses Jahr habe ich mich daran erinnert und selber gebacken, aber ich musste doch am 22. Februar abends ins Kaufhaus „ZUM“ gehen- und dachte, ich bin in den Dreharbeiten für einen Film über ein Land ohne Männer gelandet! Es war gerammelt voll, besonders in der- Rasierschaumabteilung. Die Frauen haben sich gegenseitig die letzten Männerparfümflaschen aus den Händen gerissen! Und weit und breit war kein Mann zu sehen!

Schlange in der Sockenabteilung am 22.2.
Schlange in der Sockenabteilung am 22.2.

Gut zu wissen, dass es schon bald anders herum sein wird: Am 8. März ist nämlich Frauentag, und da -öh, betrinken sich die Frauen mit Wodka und die Männer backen ihnen Torten.  Ja nee, ist klar.

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4 Comments

  1. Als ich zur Schule gegangen bin, mussten die Mädchen am 23. Februar Geschenke für die Jungen machen und dazu noch einen „süssen Tisch – sladkij stol“ vorbereiten (d.h. Süssigkeiten in grossen Mengen besorgen, die nach dem Unterrichtsende auf einem Tisch in der Klasse serviert wurden). Am 8. März waren die Jungs mit Geschenken und „sladkij stol“ dran. Es gab immer ein grosses Drama, wenn etwas fehlte. Die Jungen haben entweder Geschenke gemacht oder sladkij stol, manchmal beides und in den Zeiten der Konflikte zwischen Jungen und Mädchen gar nicht. Was die 10-17 jährigen Kinder mit dem Verteidiger des Vaterlandes zu tun haben, weiss ich nicht. Es war einfach ein Muss.

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