Maslenica: Pfannkuchenfest

Maslenica

Nachdem wir den Tag der Verteidiger des Vaterlandes hinter uns gebracht haben, gab es am Wochenende schon wieder die nächste Gelegenheit, sich den Bauch voll zu schlagen.

Am Ende des Winters (oder dann, wenn man denkt, der Winter müsste nun bald mal zu Ende sein, weil er schon gefühlte zehn Jahre andauert), feiert man in Belarus das Pfannkuchenfest.

Diese Feierlichkeit dauert eigentlich eine Woche und ist mir unserem Karneval zu vergleichen. Man feiert den Frühlingsbeginn und isst sich nochmal so richtig satt vor der großen Fastenzeit.

Fastenzeit heißt übrigens „post“ auf russisch. Ich habe, als ich zu Anfang neu in Belarus war, so oft gehört: „Danke, ich kann heute nichts trinken und essen, ich habe „post“, u menja post“, dass ich dachte, das bedeutet „einen Kater haben“…

In Belarus, oder zumindest in Minsk, isst man zu Maslenica traditionell Bliny, also Pfannkuchen oder andere kalorienhaltige Mehlspeisen wie syrniki (Quarkpfannekuchen), Oladii (ehm, kleine Pfannekuchen), oder Draniki (Reibekuchen).

Am Sonntag haben wir uns mit der Familie zum traditionellen Pfannkuchenessen getroffen und eine Runde „Sehen und gesehen werden“- im Gorki-Park gespielt. Dort gab es mal wieder ein Volksfest, Blinystände und geschäfttüchtiger Weise auch einen Stand des belarussischen Mehl- und Getreidekombinats. Praktisch eigentlich, wer will nicht ein paar Kilo Mehl oder Buchweizen kaufen, während er den Sonntagspelz spazieren führt?

Traditionell wird auch zum Winterende eine Vogelscheuche verbrannt. Die heißt „Pudela“ auf belarussisch und ich habe wirklich sehr lange gedacht, die barbarischen Völker des Ostens opfern jedes Jahr einen armen, kleinen, lockigen Hund!

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Nun hat Belarus ja neben der rituellen Hundeverbrennung in dieser Woche auch wieder andere Schlagzeilen gemacht. Bei einer großen Spazierrunde durch den Gorkipark kommt man immer an der riesigen Baustelle vorbei, an der bald das Hotel Kempinski stehen soll.

Dieses wird gebaut von einer slovenischen Firma, und der belarussische Auftraggeber Yuri Chizh wurde wie durch ein slovenisches Wunder von der EU-Liste derjenigen Belarussen gestrichen, die im Rahmen der verschärften Sanktionen nun nicht mehr in die Europäische Union einreisen dürfen.

Die verbleibenden Personen auf der Liste haben den Präsidenten jedoch genug erzürnt, um es auf einen handfesten diplomatischen Eklat ankommen zu lassen: Er hat Maira Moira, die EU-Botschafterin, und ihren polnischen Kollegen des Landes verwiesen. Seine Leutchen aus den Botschaften hat er nach Minsk zurückberufen. Klar, dass auch die anderen EU-Ländern nicht lange auf sich warten ließen und ihre Botschafter ebenfalls „zu Konsultationen“ nach Hause berufen haben.

Das gab es zwar schon öfter, zuletzt ist mir in Erinnerung geblieben, dass der amerikanische Botschafter abgereist wurde. In einem so großen Umfang habe ich bisher den Abzug von Botschaftern jedoch nicht miterlebt. Guido Westerwelle (eine Frage, die mir seit langem auf der Seele brennt: Wer hat dem Mann zu der Brille geraten?) hat in üblicher Kompetenz dazu gesagt, Lukaschenko sei der „letzte Diktator, den wir in Europa haben“,  Die EU und Polen könnten, so berichtet Focus, in vollem Umfange auf die deutsche Solidarität zählen.

Dies ist nun sicher nicht die richtige Stelle, um lange auf das Pro und Contra politischer Sanktionen einzugehen, schließlich geht es hier um Pfannekuchen.

Aber es wäre doch wirklich wünschenswert, dass die EU sich mal langsam effektivere Wege überlegt, Lukaschenka zum Nachdenken zu bringen. Mit ihrer öden und blöden Visa-Bann-Liste ist es doch in Wahrheit so: Die tun so, als würden sie Belarus bestrafen, und dafür tut Lukaschenka so, als wäre er erzürnt.

Und in echt isst er weiter seine Bliny und freut sich, dass er jetzt mal wieder im Westen „im Fernsehen“ kommt.

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3 Comments

  1. Vollkommen richtig. Ich glaube nicht, dass es auf beiden Seiten irgend eine Art von Nachdenken gibt. Es wird einfach das getan, was schon immer getan wurde, was man aus dem Effeff kennt und selbst in volltrunkenem Zustand noch fehlerfrei schauspielern kann. Und jeder macht mit! Überall. Syriens Assat und sein Regime steht auf einer Liste, die USA haben eine Liste mit Kubanern, Nordkoreaner stehen bistimmt auch auf einer Menge Listen, die aber haben wahrscheinlich die längste Liste.

    Ist Batka wirklich sauer? Er, der lieber Diktator ist als schwul braucht nun keinem deutschen Außenminister keine Hand mehr zu geben.

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