Avanturisty 2: Urlaub à la sovietique

Was machen die Avanturisty, wenn Urlaubszeit ist? Sie fahren entweder an die Krim, oder nach Jurmala an die lettische Ostseeküste.

Da selbst mir als überzeugter Zugfahrerin nicht klar ist, worin der Spaß besteht, eine Woche lang in einem überfüllten und -hitzten Zug in einem Waggon mit Holzpritschen zu fahren, um dann anschließend noch in einen Bus umzusteigen, um dann schlussendlich in Orten zu landen, in denen Strandpromenande kilometerlanger Beton anstatt Sand bedeutet, ging es für uns nach Jurmala.

Um das Baby und das Abteil nicht mit anderen Reisenden teilen zu müssen, wollen wir 1. Klasse fahren. Leider gibt es in dem neu wiedereingesetzten Zug Minsk-Riga keine erste, sondern nur die Lux-Klasse.

Roter Plüsch allenthalben
Roter Plüsch allenthalben

„Das beste, was die Sowjetunion zu bieten hatte!“ preist mein Mann an. Ich denke mir meinen Teil darüber, was man im Arbeiter- und Bauernparadies wohl so für Luxus hielt. Für stolze 100 € haben wir erhalten:
Eine große Menge roten Plüsch, einen echtes Retro-Abteil noch mit Pedalenklo und Videoapparat (alles garantiert seit der Wende nicht mehr modernisiert) und einen ganzen Waggon (!) für uns alleine- auf der Hin- und Rückfahrt, weil außer uns anscheinend die ganze ehemalige Sowjetunion wusste, dass man dieses Geld viel besser ganz anders anlegt.

Kuschelige Rotlichtatmosphäre
Kuschelige Rotlichtatmosphäre

Dafür konnte ich meine Allgemeinbildung in sowjetischen Hits der 80er Jahre enorm verbessern, die Kassette (hihi), die sie dort gespielt haben passte nämlich 1a zum Trash-Charakter des Lux-Waggons.

In Jurmala waren wir heilfroh, dass wir uns nicht für den Badeort Majori entschieden haben: Baden-Baden meets Ballermann. Alles, was russisch und neureich ist, hält sich dort auf. Alles, was lettisch und superreich ist, ist anscheinend von dort in einen anderen, wirklich noblen Stadtteil namens Lielupe geflüchtet.

Ballermann meets Baden-Baden
Ballermann meets Baden-Baden

Und was ist das mit reichen Russen (und Belarussen) und der asiatischen Küche? Irgendwie scheinen sie darauf zu stehen, weshalb wir zwar acht mal chinesisch, indisch und thailändisch gegessen haben -jedes Restaurant hatte selbstverständlich auch eine Sushi-Karte- aber nur ein halbes Mal lettisch.

Und bei dem einen Mal hatte ich eine echte und wirkliche tote Fliege in meinem Essen! Ich bin also zu den Kellnerinnen hingegangen und sagte:

geliehenes Foto, nah an der Realität
geliehenes Foto, nah an der Realität

„Das da ist in meinem Essen.“

Drei blonde Frauenköpfe beugen sich über meinen Teller mit der überbackenen Aubergine und der Fliege, die die Beine ergeben in die Höhe streckt, und anschließend beraten sie:

„Ich glaube, das ist eine Fliege.“- „Auf jeden Fall eine Fliege, was meinst du?“- „Ja, eine Fliege“.

Ganz stolz, zu einem Konsens gekommen zu sein, schauten sie mich an und sagten:
„Eine Fliege!“ Sie wollten sich schon abwenden, denn für sie war die Sache damit geklärt, als ich rief:

„Ja, und jetzt??“- „Wie, und jetzt?“ blondbezopftes Unverständis. „Ach, Sie wollen das jetzt nicht mehr essen, oder was?“

Ich: „Genau, denn wie Sie ja herausgefunden haben, gibt es eine Fliege auf meiner Aubergine.“

Die Damen guckten mich an, meinten dann verärgert: „Können wir das nicht runternehmen? Nein, Sie bestehen auf einer neuen Portion?“

Nach diesem Erlebnis bin ich doch dann gerne zum Chinesen gegangen. Im Chop Suey erkennt man die Fliegen wenigstens nicht gar so deutlich.

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