Minsk, ich werde dich vermissen.

Nun sitze ich hier in unserer noch gar nicht wirklich ausgeräumten Wohnung und fühle, was ich niemals vermutet hätte: Abschiedsschmerz!

Ich war mir ganz sicher, dass ich vor Freude nicht an mir halten kann, wenn ich endlich, nach diesem stürmischen ersten Halbjahr, meine Sachen packe und weiß, dass mich ein neues Leben  erwartet. Oh, und ich freue mich auch! Auf meine Familie, auf ein ganz normales Leben, auf alte Freunde, und auf neue Möglichkeiten.

Aber im Moment ist mir eher nach Heulen zumute. Minsk und ich führen nämlich eine dieser ungesunden On-Off-Beziehungen, in denen man es einander möglichst schwer macht. Es ist mir nicht möglich, ohne Minsk zu leben- aber in Minsk geht es auch nicht!

In den letzten vier Wochen war es hier ein bisschen wie in einem Sommermärchen- es wurde fast nie dunkel, das Wetter war perfekt, und aus dem Westen kam ein nicht abreißender Strom lieber Menschen zu Besuch.

Die Wochenenden haben wir auf dem Dorf verbracht und genossen, so weit Weg vom Trubel und dem Handynetz zu sein, wie es in Europa nur irgend möglich ist. Und genau jetzt- wo die Blaubeeren reif werden und der Sommer gerade anfängt, packen wir unsere sieben Sachen und gehen.

Was mich besonders beschäftigt, ist, dass sich diese Abreise anfühlt wie ein Versagen.

Als wir vor zwei Jahren ankamen, hatten wir den Plan, bis zur Einschulung unseres Kindes hierzubleiben- also mindestens 5 Jahre. Mit der Geburt von Kasimir hat sich mein Blickwinkel auf Belarus und mein Abenteuerbedürfnis radikal geändert.

Bei allen spitzen Kommentaren und allem Schimpfen über seine Bewohner- ich liebe Minsk noch immer und bin mir sicher, dass ich hier gut leben könnte- allerdings nicht als Mutter. Meine Erfahrungen mit Kinderärzten und Geburtshäusern hier haben mir klar gemacht, dass ich mich an dieser Stelle geschlagen geben muss. Das bin ich mir selber und meinem Kind schuldig.

Aufgrund meiner Situation hier, die ich als sehr schwierig empfunden habe, war ich im letzten Jahr ohnehin hier mehr oder weniger Touristin. Alle zwei Monate bin ich mit Kasimir nach Deutschland gefahren, und immer schwerer fiel es mir, nach Minsk zurück zu kehren. Ich weiß, dass es hier noch sechs Wochen wunderschön ist- und dass das ein halbes Jahr lang Winter, Kälte und Dunkelheit folgen werden. Meinen nächsten Umzug plane ich deshalb ganz sicher im Februar, sollte es nochmal einen geben.

Ich würde mir wünschen, dass wir eine Möglichkeit finden, in beiden Ländern zu leben- so dass wir den Sommer hier verbringen könnten und den langen Winter in Deutschland. Das wäre eine Lösung, die uns alle drei sicherlich glücklich machen würde. Bis dahin versuchen wir, so viel Belarus wie möglich in unser deutsches Leben mitzunehmen (mein elektrischer Samowar MUSS mit! Das werden die polnischen Zöllner hoffentlich einsehen.).

Mit dem Aufenthalt in Minsk wird mein Blog nicht enden- erstens habe ich schon fleißig Geschichten gesammelt, und zweistens ist der Osten ja überall, wie wir bereits festgestellt haben.

Ich hoffe, dass meine lieben Leser mir auch noch treu bleiben, wenn ich zu meinen Wurzeln im Ruhrpott und in den Schoß meiner Familie zurückgekehrt bin!

5 Comments

  1. Trotz deiner kritischen Worte auf unser „Umgehen“ mit unserer weißrussischen Partnerstadt P. habe ich überall Reklame für deinen Blog gemacht. „Echt Spitze“. Aus deiner Sicht hattest du recht. Aus unserer Sicht können wir uns aber nur an die unorthodoxen Regeln des Herrn Luk… halten, wenn wir überhaupt noch Kontakte pflegen wollen. Alles Gute wieder hier im Pott.

  2. Erst mal alles Gute – ist ja schon eine Weile her.
    So werden wir uns in Minsk nicht sehen. Ich war übrigens letzte Woche dort und traf dort sowohl motivierte und positiv gestimmte Menschen, also auch Pessimisten. Schreibe später mehr. Gruß, Uli

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