Wiedersehen macht Freude

Ich bin wieder hier. Mitten in Minsk, beziehungsweise nicht so ganz mittendrin, weil meine Schwiegereltern ja in der ehemaligen Militärstadt am östlichen Stadtrand wohnen. Aber mittendrin in Belarus.

Ganz schönen Bammel hatte ich vor dieser Rückkehr. Das ist ein bisschen so wie einen Freund treffen, mit dem man nicht im Guten auseinander gegangen ist. Mir war nicht klar, ob ich wehmütig sein würde oder viel zu erleichtert.

Das ist eine Dublionka.
Das ist eine Dublionka.

Minsk hat dann einfach mit mir das gemacht, was es immer gemacht hat: Ich fühle mich hier  immer sofort wieder zu Hause. Die Ankunft am Bahnhof, der Weg zum Auto durch die große Unterführung; der Weg durch die Stadt, alles war so, als wäre ich gestern zum letzten Mal hier gewesen. Das war schon immer so. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich in große Verzückung verfallen bin, aber es hat nirgendwo geschmerzt. (Außer in der Nase, denn die Männer riechen auch noch genau so wie im letzten Winter.)

Um mich besser in meine Rolle hier einzufühlen, habe ich heute direkt meine Dublionka angezogen. Das ist so ein Verheiratete-Frauen-Mantel, innen Schaffell und außen Leder, bodenlang, schön warm. Er hilft mir, in meine Identität hier zu schlüpfen. Leider ist es für die Dublionka ein bisschen zu warm: Es sind Plusgrade, kein Schnee ist weit und breit in Sicht. Das ist unerhört, wie ich finde. Immerhin fahren wir morgen für drei Tage aufs Dorf, wo ich Winterurlaub verbingen wollte. Mit Skifahren, Pferdeschlitten und Eislaufen. Jetzt wird das eine matschige Angelegenheit. Und wo bleibt da bitte die Romantik?

In Minsk an sich hat sich einiges verändert. Die Metro ist nun auch auf Englisch beschildert und die Kioske haben Alibi-Kinderbücher auf Englisch ausgestellt. Das ist alles für die Eishockey-WM, die hier bald stattfindet. Ihr Emblem findet sich auch auf jedem Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens wieder (Heute gesehen: Seifenstücke, Servietten und Getränkeflaschen mit WM-Emblem), und in der Stadt stolpert man alle Nase lang über lebensgroße Pappwisente im Eishockeykostüm. Das wird eine Gaudi hier nächstes Jahr.

Das ist der freundliche Wisent.
Das ist der freundliche Wisent.

In der Stadt gab es heute das statt, was man im Ruhrgebiet gemeinhin als „Polackenflachrennen“ bezeichnet. Eine ganze Nation hat heute ihre Neujahrsgeschenke gekauft. Denn heute, das haben mir meine Schwiegereltern und jeder andere Belarusse, den ich getroffen habe, gesagt, heute gab es 15-20% Rabatt auf ALLES. Das ist ungewöhnlich viel Nachlass in diesem Land, und so scheinen sie es sich alle für heute aufgehoben haben, ihre Geschenk zu kaufen und ihre Vorräte aufzustocken. Es war gelinde gesagt ein Alptraum, heute einzukaufen. Wir mussten das tun, weil Dzied Maroz Kasimir natürlich belarussische Spielsachen bringt. Aber man stelle sich vor, dass ganz Deutschland geschlossen am 23. Dezember einkaufen geht!

Heute haben wir neben dem Kamikaze-Einkauf auch noch andere spannende Sachen gemacht: Das Modeevent „Central Fashion Market“ besucht, bei dem es Kleider belarussischer junger Designer zu kaufen gibt. Ein Abendessen mit meinen Kollegen von Belarus Digest besucht, bei dem sich herausstellte, dass drei von vier Paaren (wir inklusive) im angeblich ungewollten Partnerlook erschienen, und bei dem ich meinen intellektuellen Kollegen vergeblich versucht habe zu erklären, warum es in Deutschland nicht angebracht ist, zu fragen, welche Partei man gewählt hat, und dass es dennoch politische Diskussionen im Land gibt.

Nun haben wir alles hier, was wir für das große Fest benötigen : Palesse-Plastikautos, Mandarinen, alle Zutaten für die Salate Olivié und „Pod Schuboj“ und morgen packen wir das alles ins Auto und fahren nach Slabada, das Dorf am Ende der Welt. Ich melde mich von dort wieder.

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1 Comment

  1. Hi Nadine,

    willkommen zurück. Schade, dass es keinen Schnee gibt. Viele Leute bedauern das.
    Das mit dem Einkaufen kann ich nachvollziehen – ich kaufe das Meiste auch erst am 24.12. In Minsk gab es schon am 22.12. einen Tag mit 15-20% Nachlässen.

    Vilejka und seine Umgebung ist sicher ein guter Platz, den Jahreswechsel ohne Trubel zu verbringen. Im Matsch macht das sicher wohl weniger Spaß, da man draußen nicht viel unternehmen kann. Es ist wohl ein bißchen so wie bei uns – kein Eis auf den Teichen zum Eislaufen – kein Schnee zum Langlaufen. Wenigstens scheint die Sonne.

    Einen guten Rutsch und ein gesundes neues Jahr Euch allen wünscht
    Uli

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