Superstars Lyapis in Wuppertal (edit)

Gestern war der Tag der Kosmonauten- der Tag, an dem man an den ersten bemannten Flug ins All durch Juri Gargarin am 12.4. 1961 denkt. Der Tag ist seit 2011 übrigens auch internationaler Tag der bemannten Raumfahrt.

Wir haben diesen Feierlichkeit gestern in Wuppertal auf dem russischen Musikfestival PeeplRock begangen.

Das war ein Ausflug in eine andere Welt, sage ich euch! Alleine etwas in meinem Kleiderschrank ohne Blümchen und Rüschen zu finden, das halbwegs nach Rockkonzert aussah, war schon eine Herausforderung.

Das Festival fand in der Halle der Uni Wuppertal statt und war damit anscheinend Garant für Trash-Style. Schon als wir ankamen, sah ich nur noch russische Menschen, die am hellichten Tage auf die Straße kotzten. An der Hand meines Mannes wurde ich immer kleiner, vor allem, als ich bemerkte, dass offensichtlich außer mir dort keine deutschen Muttersprachler zu sehen waren, außer zwei Securitymännern. Das war ziemlich lustig- man steigt aus dem Bus 615 nach Vohwinkel oder so aus und ist- mitten in Nishnij Nowgorod!

Vertreter der russischen Diaspora in Wupprtal
Vertreter der russischen Diaspora in Wupprtal

Während wir uns den Weg durch die kotzenden bundesdeutschen Russen bahnten und wir erste Klänge aus der Unihalle hörten, wurde mir klar, dass „internationales Musikfestival“, was auf der Karte stand, eigentlich „russisches Krachkonzert“ hätte heißen müssen.

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich Rockmusik wirklich nicht mag. Ich stehe dazu, dass ich gerne aufs Klavierfestival Ruhr gehen möchte und eine Karte für das Elton John -Konzert im Sommer habe.  Ich bin durch und durch uncool. Das merkte ich auch, als wir dann in der Halle standen. Eindeutig außerhalb meiner Komfortzone.

Der Ehrlichkeit halber muss ich sagen, dass einige Bands wirklich ziemlich überzeugend waren. „Smyslovye gallyucinacii“ und „Zvery“ fand ich zum Beispiel richtig gut! Der Hauptact, die Superstars „Lyapis“ sagten mir leider gar nicht zu. Die Musik war einfach nur krachig, und der Mann erinnerte mich an den Limp-Bizkit- Leadsänger: Ein böser dicker Mann mit Kappe, der ins Mikro schreit. Sie müssen für russische Ohren aber ziemlich gut sein, denn am Abend vorher waren sie in Warschau und heute sind sie in Prag und füllen in Russland richtig große Stadien. Was ich an Lyapis mag, sind die gesellschaftskritischen Texte. Hier ist der link zu einem ihrer größten Hits, in dem es um Kritik am Kapitalismus geht:

Nachdem mein Mann wieder sprechen konnte (er war ziemlich heiser in den Stunden nach dem Konzert….) hat er mich noch ein bisschen über das aufegklärt, was  während des Lyapis Konzertes auf der Bühne so geschehen ist. Ich war ein bisschen abseits am Rand und dank schlechter Akustik und mangelnder Rockrussischsprachkenntnisse habe ich folgendes nicht mitbekommen. NATÜRLICH hat die Band sich WIE IMMER als Band aus Minsk, Belarus vorgestellt. Und dann haben sie gesagt, dass sie wissen, dass man „Slava Ukrainy“ und „Zhyve Belarus“ sagt, sie aber nicht genau wissen, was man dazu in Russland oder Kasachstan sagen würde. Falls es aber mal eine Freiheitsbewegung in beiden Ländern gäbe, sollte man ihnen Bescheid sagen, wie der Schlachtruf laute. Auf die ihnen daraufhin entgegengesetzten Mittelfinger gab es eine leider nicht jugendfreie, aber sehr kreative Antwort.

Jeglich inkorrekte Darstellung ist meinem Desinteresse an Rockmusik geschuldet. Man sehe es mir nach. Fragt mich was zur Belarus fashion Week, die im Moment läuft.

Am Ende war es musiktechnisch nicht meins, aber es war witzig, so eine russische Seifenblase mitten im Bergischen Land zu erleben. Die Männer haben sogar die russischen Verhaltensweisen übernommen und die Frauen beim Begrüßen und im weiteren Gesprächsverlauf schlichtweg ignoriert. Dieses Gefühl, wenn jemand neu in die Gruppe kommt, allen die Hand reicht, nur den Frauen nicht, hatte ich schon lange nicht mehr.

Wir haben dann sogar noch an der stage door a.k.a. der Eingang zu den Umkleidekabinen die Stars von Lyapis abgefangen und ich habe alle mit dem verschwitzten bösen Limp Bizkit -Verschnitt abgelichtet. Sowas habe ich nichtmal bei der Kelly Family gemacht!!

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6 Comments

  1. Hallo Nadine,

    Rock – das ist meine Jugend. Da wäre ich auch gerne gekommen, nicht nur, um Musik zu hören (was mir meine Familie gerade noch gestattet hätte). Weiter entfernte Konzerte dieser Art kann ich wohl erst wieder besuchen, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

    Lyapis Trubetskoy treten in nächster Zeit u.a. in Klaipeda und Riga auf:
    http://lyapis.com/concerts/
    In Klaipeda open air an der Ostsee: http://karkle.com/karkle-festival/
    Wird echt geil sein, sollte man sich nicht entgehen lassen.

    Ein Festival für alle Geschmäcker ist „Kazantip“ bei Yevpatoria – http://kazantip.com/
    Leider braucht man jetzt wohl ein Visum.

    Viele Grüße
    Uli

  2. Doooch, ich kannte sie. Das sind die, bei denen ich immer sage, „mach mal den Krach aus“ nach drei Liedern. 🙂
    Sie haben sich gestern sehr russisch gegeben und ich habe es so verstanden, dass war Sergejs Eltern aus Minsk sind, er aber in Russland aufgewachsen ist. Wie gesagt, sie haben sich gestern total un-belarussisch gegeben.

    1. Lyapis werden schon als Weissrusische Band wahrgenommen. Ich weiß nich ob du bis zu Ende warst – die Frontfrau von letzen Band, Diana Arbenina, wurde auch in Weissrussland geboren. Sie wird aber nicht wirklich als „weißrussin“ wahrgenommen. Sergej ist in Deutschland geboren, dann war die Familie in Russland, aber nicht lang. Er wurde erst bekannt in Weissrussland und danach gab es „Export“ nach Russland. Er hat sich vom früheren Musikstyle distanziert. Zum Glück, oder leider ))) Aber Krach was sie grade machen gefällt mir auch. Bei meiner Russische Freunde, die dabei waren, kamm es gar nicht russisch vor. Alleine was er zwischendürch geredet hat. Und dann hat er noch Konzert aus Maidan gegeben. Dass wird schon bei manchen Russen als Verrat empfunden.

      1. So was haben sie mal gemacht. Ich finde leider kein offizielles Musikvideo. Nur mit Kindern

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