Kindermund….

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Nachdem es ja bei den Großen dieser Welt anscheinend Mode ist, öfters mal nach Minsk zu fahren, wollten wir uns dort auch mal wieder blicken lassen.

Also haben wir wieder unsere sieben Sachen gepackt, uns in den Zug gesetzt und ab ging die Reise nach Belarus.

Dieses Mal haben wir, womit wir so nicht gerechnet hatten, einen neuen aufmerksamen Reisebegleiter, der uns Minsk und unsere Umgebung mit ganz neuen Augen sehen lässt: Unseren fast dreijährigen Kasimir, der in seinem zarten Alter schon erstaunliche Beobachtungen macht.

Ich meine damit an dieser Stelle nicht seine charmante Beobachtungsgabe, wenn es um mein Äußeres geht: „Mama, wenn man tot ist, dann hat man so eine Frisur wie du!“, sondern seine erstaunliches interkulturelles Verständnis.

Sobald wir den Zug nach Minsk betreten haben, rief er ganz erstaunt: „Oh, belarussische Teppiche!“. Diese liegen nämlich im Nachtzug auf dem Boden. Hatte er wohl aus der großelterlichen Wohnung wiedererkannt. Begeistert war er auch von den Flachbildampeln und der Minsker Metro, die er für eine Achterbahn hält.

der blaue Zug
der blaue Zug

Weniger Verständnis hat er dafür für den allgegenwärtigen Verfall- „Mama, eine alte Lok, sooo alt“, „ähm, nein, das sind hier die ganz normalen Loks, Kind!“, und jede Macke und Schramme an Möbeln und Häusern.

Den Hauseingang im 9-Etagen-Haus meiner Schwiegereltern, nornaler belarussischer Durchschnitt, beguckt er und fragt, warum hier keiner putzt, genau wie er die durchschnittlichen belarussischen Möbel (das sind die guten alten aus dunklem Holz aus Sojwetzeit) anguckt und fragt, warum die kaputt sind. Oder der Polizeibus: „Mama, ich habe so einen kaputten Bus gesehen, der fährt noch!“.

Selbst wenn man sich an die – ähm- anderen Standards gewöhnt hat, das Kind weist einen doch wieder darauf hin und wir sehen viele Dinge hier mit neuen Augen. Dauernd zeigt er uns auf uniformierte Menschen, Polizisten, Militärs, etc., die man hier nach einigen Tagen sonst übersieht, so sehr gehören sie ins Stadtbild. Kasimir assoziiert Soldaten mit Krieg, oder Krise, wie er sagt und hält Belarus seitdem für einen Staat, in dem „Krise“ ist.

Enttäuscht war er freilich, dass es in der Bulochnaja keine Laugenbrezel gab- eine Marktlücke, die man in der Tat vielleicht hier mal abdecken könnte.

Ich habe die Interkulturalität auch bereits schamlos ausgenutzt: Ich habe ihm erzählt, dass belarussische Kinder imer ganz arg brav sind und niemals in der Öffentlichkeit rumtoben. Hat zumindest bei den ersten Malen bei ihm gefruchtet.

Ich bin sehr gespannt, was die weitere Woche an neuen Eindrücken für ihn und für uns bringt.

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