Zum Männertag: Nur echte Männer können Papa

Zum Männertag!

Heute geht einer der besten Monate meines Lebens zu Ende. Vor einem Monat kam unser neuestes Familienmitglied zur Welt, und es begannen vier Wochen Honeymoon zu Viert. Noch jetzt, obwohl nun langsam wirklich meine Hormone wieder auf Normal Null sind und ich bei der Save the Children- Werbung nicht mehr Rotz und Wasser heule, kommt es noch fast täglich vor, dass ich vor Glück ein Tränchen verdrücke, wenn ich meine beiden Sprösslinge zusammen sehe. Oder den verliebten Papa mit seiner kleinen Prinzessin auf dem Arm.

Wer immer sich die Elternzeit ausgedacht hat, sie muss es sich so gedacht haben (ich bin gerade zu faul, die betreffende Ministerin zu googeln. War’s die Uschi?). Nach einem Wellness-Urlaub-ähnlichen Aufenthalt im Familienzimmer (unser Kasimir ist sogar eine Nacht mit dort geblieben, weil er das Hotel mit den Ärzten und dem Buffet so toll fand) haben wir es uns zu Hause so richtig gemütlich gemacht.

Auch wenn ich zugegebener Maßen zuerst überlegt habe, was man vier Wochen mit einem Ehemann zu Hause macht, kann ich mir nicht vorstellen, wie es ab morgen hier ohne ihn funktionieren soll. Ich habe mich an die entschleunigte Art gewöhnt, mit der Männer den Haushalt erledigen und erstaunt festgestellt, dass man eigentlich nicht immer drei Dinge gleichzeitig machen muss, um glücklich zu sein.

Mittagsschlaf
Mittagsschlaf

Ich glaube, in Kasimirs Augen werde ich kläglich versagen neben dem Papa-Helden, der Mähdrescher aus der Hand zeichnen kann, unermüdlich in Eiseskälte im Unterholz Krokodile jagt und Stunde um Stunde auf dem Bauteppich siebenstöckige Polizeiwachen aus Duplo baut.

Anfangs war ich etwas erstaunt, als mein Mann auf einmal die Sendezeiten von Lauras Stern kannte- Anfang des Monats dachte er noch, es handele sich bei der Sendung um ein Mädchen, das Laura Stern heißt.

Der Erfinder der Elternzeit muss wissen, wie sich eine frisch gebackene Mutter fühlt, und wie wichtig es für Familien ist, diese Zeit zum Zusammenwachsen zu haben. Nach Kasimirs Geburt musste der Papaheld zwei Wochen nach der Entbindung wieder nach Minsk und konnte den Filius und mich nur alle zwei Wochen in Deutschland besuchen- das war für alle ganz entsetzlich.

Obwohl die belarussische Gesetzgebung ziemlich frauenfreundlich ist (zum Beispiel bleibt ihnen der Arbeitsplatz sehr lange nach Geburt der Kinder erhalten, ich meine bis zum fünf Jahren, und das selbst bei befristeten Verträgen), wird die Elternzeit nicht genutzt bzw. es gibt nur ein weniger gut bezahltes Äquivalent. Dabei würde mehr Papapräsenz in den Familien sicher vielen gut tun, in denen die Omas mit eifriger Hand das Zepter, äh,  Spucktuch schwingen.

Nun sind sowohl der Papa als auch der Sohn Experten in Sachen Wochenbett und unterstützen mich mit Rat und Tat. Als ich dank des Hormonchaos heulend vor dem Spiegel stand, weil ich aussehe wie Dolly Buster, die ihre Bauchmuskelübungen geschwänzt hat (Schwabbelbauch aber Körbchengröße 95H) und mir deswegen nur eine graue formlose Jogginghose passte, gab mein Mann mir einen Kuss und sagte nur: „Achso, Babyblues, ja?“, und Kasimir kam angerannt, musterte mich und meinte: „Mama, in der Elefantenhose holst du mich aber nicht vom Kindergarten ob, okee?“.

Einige Dinge führten aber auch bei Aliaksei zu Verwunderung. Fast täglich klingelt bei uns der DHL- Mann und bringt mir schöne Sachen. Ich sehe ihn meist unter der Woche öfter als meinen eigenen Ehemann, weshalb wir uns ganz gut kennen. Als er letztens klingelte und wir einen kleinen Plausch hielten („Ach, das Baby ist da?“-„Ähm ja, das soll die rosa Girlande an der Tür bedeuten“) kam Aliaksei verwundert aus dem Kinderzimmer und fragte: „Mit wem unterhältst du dich da eigentlich?“.

Zooausflug
Zooausflug

Während dieses Monats hat Kasimir auch außerordentlich viel Belarussisch gelernt. Das ist natürlich ein toller Nebeneffekt, wenn der Papa öfter da ist. Im Frühjahr wird er das erste Mal alleine mit dem Papa nach Minsk reisen („Warum guckst du so traurig, Mama? Du hast ja noch die Paulina!“).

Zwei Dinge habe auch ich bemerkt in diesem Elternzeitmonat:

1. Auch Neugeborene haben schon dieses Gen, genau dann dringend hilfsbedürftig zu sein, wenn die Mama denkt, alles sei erledigt und sie hätte nun fünf Minuten Pause. Bei Kasimir nenne ich es den „Sofa-Alarm“. Mama sitzt!!! Das geht gar nicht!! Schnell, wir müssen sie beschäftigen! „Maaaamaaaa, koooomm mal bitteeee!“

2. Ich finde, Schwangerschaftstest sollten eine Aufschrift haben. Wenn die bedeutungsschweren zwei Striche erscheinen, sollte in dem Fenster gleichzeitig stehen: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger! Nun beginnt die schönste Zeit in Ihrem Leben- und Sie haben für die nächsten 10 Jahre das Recht verwirkt, alleine zur Toilette zu gehen!

Hachja, morgen beginnt der Ernst des Lebens wieder- für den Papa im Büro, für mich mit zwei Zwergen im Alltagsdschungel. Ich bin sehr gespannt, wer von uns Dreien morgen noch im Schlafanzug ist, wenn wir kurz vor Toresschluss hoffentlich noch rechtzeitig die Kita erreichen.

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