Von Mardern und Buspinklern

nur gucken

Für alle, die sich gefragt haben, wie es uns gestern ergangen ist: Ich glaube, das ist eine Woche Survival-Training extra für mich. Gestern morgen nämlich, als ich dann am Frühstückstisch saß, traute ich meinen Augen nicht, als es auf einmal schneeregnete und ich die Autos mit einer weißen Schneehaube vorbei fahren sah. Da ist ein ängstlicher Autofahrer bin und der Weg zum Kindergarten durch enge und kurvige Straßen führt, habe ich mich entschlossen, mit den Kindern zu laufen.

Kasimir meinte dazu schicksalsergeben: „Ist schon ok, Mama, ich fahre auch bei Schneeregen Laufrad! Ich bin Belarusse!“.

Kinder also eingepackt und durch das fiese Nass zum Kindergarten gestiefelt. Dort habe ich gelernt, dass es anscheinend eine Premiumkategorie für Mütter gibt: Jene, die ihre Kinder abgeben und vorher geduscht haben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich von drei unterschiedlichen Personen mit den Worten begrüßt wurde: „Und, wie geht’s? Oh, du hast heute schon geduscht!? Wie hast du das denn geschafft?“. Interessant.

Die Abholrunde war dann schon irgendwie spannender. Da ich Paulina aufgrund des Kaiserschnitts noch nicht im Autositz tragen darf, habe ich sie in die Babytrage Manduca verfrachtet. Im Auto! Wer so ein Ding hat, weiß, wie umständlich es ist, hinterm Lenkrad das Ding umzuschnallen, das Baby aus dem Autositz zu nehmen und darein zu positionieren, Jacke wieder anziehen, uff. Ganz schöne Verrenkungen.

Im Kindergarten angekommen begrüßte man mich mit den einzigen Worten, die ich an diesem Tag nicht hören wollte: „Frau Lashuk, der Kasimir schläft sein einer Stunde tief und fest!“. Super-GAU, ich war seit 3:18 Uhr wach und hatte nur für den Mittagsschlaf gelebt. Also Kind geweckt, großes Kind und Laufrad ins Auto, kleines Kind aus Manduca in Autositz, geschafft, anschnallen, losfahren, da…..

Unterwegs zu Dritt
Unterwegs zu Dritt

„Mama, ich muss Piiiiipiiiii. Dringend!“. Oh, nein. Nicht mit mir. Nicht wieder beide Kinder umpacken, zurück in den Kindergarten…. „Kasimir, da musst du jetzt wirklich durchhalten. Wir sind in zwei Minuten zu Hause!“. Unter gequältem Stöhnen des Kindes „Wirklich, Mama, ganz dringend. Einhalten geht nicht!“ fuhr ich nach Hause, nur um festzustellen, dass absolut kein Parkplatz frei war. Also zwei Straßen weiter geparkt, und vor die Wahl gestellt, dass das Kind in die Hose macht oder zu extremen Maßnahmen zu greifen, folgende Anweisung gegeben: „Ok, Kasimir, du darfst jetzt hier hinten an den Busch Pipi machen!“

Belarussen sind da übrigens anscheinend freizügiger als Borbecker. Sich in Flora und Fauna zu erleichtern, ist meist die bessere Variante, als die öffentlichen Toiletten zu benutzen, die ohnehin spärlich gesäht sind. Aus diesem Grund hat Kasimir, der altersbedingt noch ein bisschen lispelt, seine „Erziehererinnen“ im Kindergarten, wie er sie nennt, und jeden, der es sonst noch hören wollte, mit der Information beglückt: „Mein Papa macht immer Pipi in den Bus!“.

Den Busch brauchte Kasimir gestern nicht, nachdem er sich nämlich ganz gemütlich erst die Jacke auszog (wer pinkelt auch mit Jacke?), habe ich verstanden, dass der Dringlichkeitsgrad wohl doch nicht ganz so hoch war und ihn noch rechtzeitig nach Hause verfrachtet.

Ganz erstaunlich, und das habe ich schon bei zwei Kindergarten- und Marktrunden gemerkt, ist es, dass ausgerechnet jene Menschen, die rauchen und Hunde haben und sich generell nicht die Hände waschen, die Babys im Kinderwagen (und gestern sogar im Tragetuch!) anfassen, und zwar ins Gesicht. Das muss doch nicht sein! Haben sogar Kasimirs dreijährige Kindergartenkollegen verstanden. Ich überlege ernsthaft, ein Schild an den Kinderwagen zu pinnen: „Nicht anfassen, nur gucken!“. Aber solche Leute können sicher auch nicht lesen. (Habe gerade gegoogelt, es gibt wirklich solche Anstecker für den Kinderwagen. Ist ein ganzer Industriezweig. Muss ich haben! )

Ich muss noch erzählen, dass Kasimir eine Schwäche für Tagespolitik hat. Gestern hat er mitbekommen, dass wir über die Masernepidemie gesprochen haben und sagte abends: „Mama, ich habe mitbekommen, dass in Berlin ein Kind von einem Marder getötet wurde. Ja warum? Kannst du mir das noch einmal erklären?“…

Heute war ich übrigens nicht mehr in der Premium- Liga. Um das Ganze morgens spannender zu gestalten, ist direkt an Tag zwei der Wecker nicht angesprungen und wir mussten noch ein bisschen schneller und effizienter sein. Dafür hat es nicht mehr geschneit, das ist doch auch schon mal was!

1 Comment

  1. Hallo Nadine =)

    Dein Blog gefällt mir und ich finde Du solltest Dir unbedingt den Anstecker für den Kinderwagen besorgen. Hätte ich damals einen Hinweis auf derlei Erfindungen gehabt, glaube mir, ich hätte mir noch drei auf Reserve besorgt.

    Vielleicht könnte man die Produktpalette ja auch erweitern…Zwei sich stark ähnelnde und offensichtlich gleichalte Säuglinge liegen nebeneinander in einem ZWILLINGSKINDERWAGEN. „Sind das Zwillinge???“ – „Nein, der Dritte fährt im Fach für die Einkäufe mit!“ (Eine Frau hat tatsächlich mal kurz runtergeschaut!)

    Aber zunächst: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM NACHWUCHS!!! =)
    Für Euch ist die Traumkonstellation, an der so viele Paare arbeiten (und die teilweise bei zwischenzeitlich vier und fünf Kindern angelangt sind) in Erfüllung gegangen. Der große Bruder und sein kleines Schwesterchen…ich muss zugeben, dass mich beim Lesen Deiner Posts auch die Lust packt! Liegt aber wohl eher daran, dass ich mich um eine Schwangerschaft betrogen fühle, denn ich finde eigentlich, dass zwei gesunde Kinder ausreichend sind! Dies zeigt sich u. a. beispielhaft in Situationen der Notdurft – genau so, wie Du sie beschreibst.
    Du wirst Dir bei Paulina in vergleichbaren Situationen bestimmt noch einmal den Kasi wünschen, der (natürlich nur ausnahmsweise) mal schnell hinter’m Busch verschwinden kann. Das ist für die Mädels nicht so ganz einfach – erst Recht dann nicht, wenn Mami versucht dem Standard der „Premium-Liga“ gerecht zu werden: KEINE ANGEPINKELTEN HOSENBEINE =)

    In diesem Sinne: Ganz liebe Grüße aus der Regional-Liga – dort duscht man auch bewusst abends, um morgens annähernd entspannt aus dem Haus gehen zu können!! Nur blöd, dass abends aufgetragenes Make-Up morgens so einen ranzigen Eindruck macht – sonst würde ich doch sogar glatt geschminkt das Haus verlassen😉

    Wir sind heute an Eurer Wohnung vorbeigefahren! Leider tun wir das meistens umgeben von einer Wolke aggressivster Viren. Sonst hätten wir gerne mal „Hallo“ gesagt.
    Essen mag in gewissen Bezirken ja sein, wie es mag – der Kinderarzt im Norden der Stadt ist die 45 Minuten Fahrt aber alle Male wert!!

    Vielleicht sieht man sich trotzdem mal wieder – bis dahin schau ich hier regelmäßig vorbei!!😉

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