Sauerkraut, vegetarisch

st martin

Das Leben mit vielen Kulturen ist bereichernd. Das stelle ich in meinem kleinen Stadtteil im Herzen des Ruhrgebietes immer wieder fest.

Auch Kasimir wächst schon mit dem Wissen auf, dass es viele verschiedene Kulturen und Religionen gibt. Ein Freund ist Atheist, ein anderer orthodox-und sehr viele in seiner Gruppe sind auch Muslime.

In der Kita seines Freundes spielt Religion keine Rolle. Die muslimischen Kinder essen kein Fleisch, deshalb nennt man sie die „Vegetarier“. Für Kasimirs Freund ist Vegetarismus daher ebenfalls eine der Weltreligionen. Ich finde es wirklich toll, dass er viele verschiedene Kulturen und viele verschiedene Kinder kennen lernt.

Als die Mama des Jungen letztens etwas länger in der Kita war, um eine Laterne zu basteln, hat ihr ein kleiner Junge etwas erzählt. Sie konnte ihn leider nicht gut verstehen und hat hilfesuchend ihren Sohn angeschaut, der ihr weltgewandt erklärte: „Der spricht nicht so gut deutsch, Mama. Nur vegetarisch.“

Sauerkraut, polnisch
Sauerkraut, polnisch

Die Laterne haben sie gestern beim St. Martinszug, pardon, beim Laternenumzug, dann spazieren getragen. Wären wir „Rabimmel, rabammel, rabumm“ schallern, denken wir darüber nach, ob wir vielleicht auch mal Vegetarisch lernen sollten.

Lernen muss ich auch, wie man Weißkohl zu Sauerkraut à la russe verarbeitet. Dieses Sauerkraut, das mit Möhren und Salz und Kümmel eingemacht wird. Da wir im Winter gerne belarussische Gerichte wie Vinaigrette, Borschtsch, Schtschi und so weiter essen, brauche ich dieses Sauerkraut dringend.

Ich dachte mir, das kann ja nicht so schwer sein, und frage Tamara, ob sie mir das Rezept schickt. „Uuuuuhh, das ist schwierig. Lass lieber die Finger davon“, rät sie mir. Ich frage mich zwar, was daran nun so schwierig sein kann, Kohl und Möhren zu heckseln und zu salzen, aber nun gut.

Also gehe ich ins polnische Geschäft und sage: „Meine belarussische Schwiegermutter glaubt, dass es für mich zu schwierig ist, Sauerkraut herzustellen. Verkaufen Sie welches, so auf russische Art eingelegt?“. Ooooh, ganz falsches Reizwort. Unfreundlich erklärt mir die Verkäuferin: „Das ist hier ein POLNISCHES Geschäft und kein RUSSISCHES. Sowas haben wir hier nicht.“

Hm, achso, nagut. Dann gibt’s eben weiter Mildessa Weinsauerkraut in der belarussischen Kohlsuppe. Ist auch irgendwie völkerverbinded.

Übrigens möchte ich euch an dieser Stelle schon mal in eigener Sache mitteilen, dass es bald tolle Neuigkeiten  gibt😉

4 Comments

    1. Ich glaube, das Problem ist die Menge. Sagt auch meine belarussische Freundin. Eingemacht wird in Bottichen. Das polnische Sauerkraut war übrigens unglaublich sauer und gar nicht so mild, wie ich das aus Belarus kenne.

  1. ah ja, Polen sind sehr sensibel, nicht als Russe betrachtet zu sein und als ein anderes Volk gesehen zu sein. Russland hätte nicht versucht mehrmals Polen zu vernichten, wäre die situation sicher anders.

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