Fast Food im Balkonkasten, Wodka im Park

Ich bin meinen Schwiegereltern so dankbar. Ohne sie gäbe es meinen allerbesten Mann nicht, ohne den wiederum die beiden wundervollen Kinder nicht. Ohne Tamara und Sascha gäbe es kein Datschaobst und keine Datscha und keine getrockneten Steinpilze und keine Himbeermarmelade….

..und es gäbe Liebesgrüße aus Minsk nicht. Ohne Tamara und Sascha wäre der erste Band wirklich dünn geworden, und ohne sie wäre natürlich auch an einen zweiten gar nicht zu denken.

Diese Woche waren sie hier zu Besuch und haben mindestens zwei neue Kapitel mitgebracht.

Ich hatte mir vorgenommen, dieses Mal ganz und gar tiefenentspannt zu bleiben und mich um meinen eigenen Kram zu kümmern, während es jetzt ja mittlerweile für jedes Großelternteil ein Kind zur Eins-zu-eins-Betreuung gibt.

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Bildteil „Liebesgrüße aus Minsk“

Das hat auch ganz gut geklappt. Sie kamen am Dienstagnachmittag an und ich habe meine Kinder sieben Tage später wieder gesehen. „Mama? Du bist auch hier? “ fragten sie erstaunt und spielten weiter „Laduschki, Laduschki“.

Der Familienbesuch führt ja bekannter Maßen dazu, dass wir alle näher zusammenrücken. Das Wohnzimmer wird zum Gästezimmer, in dem mein Schwiegervater ab neun Uhr abends schläft. Sein Biorhythmus ist synchron mit dem des Hahns aus Slabada. Er steht um fünf Uhr auf und tigert dann durch die Wohnung. Um sieben bringt er Alioscha zum Zug,  geht dann Brötchen holen, freundet sich mit dem armenischen Brötchenbäcker an und wartet darauf, dass wir um halb acht ENDLICH aus den Federn kriechen.

Im Gegensatz zu Kasimir findet Prinzessin Paulina die zweihundertprozentige Aufmerksamkeit (und die frischen Brötchen) ganz toll und kann von beidem nie genug bekommen. Alle Scheinwerfer auf mich, ist ihr Lebensmotto. Babuscha und Deduschka freut es. Kasi auch, dann hat er mal ein bisschen Ruhe.

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Vegetarische Lasagne

Ansonsten war alles beim Alten: Ich habe viiiel Essen gekocht. Unter anderem vegetarische Lasagne.

„Ist es ok, wenn  es etwas ohne Fleisch zum Abendessen gibt, Sascha?“

„Na klar, aber ich darf doch wenigstens eine Scheibe Schinken dazu essen?“

„…“

Abends dann: „Oooh, das ist so lecker…“ (stochert in den Auberginen) „da ist doch sicher Fleisch drin! Hättest du es nicht gesagt, ich hätte es nicht bemerkt!“. Touché.

Zum Vorstellungsgespräch ging ich dann mit einer Aura von Curryhühnchen, weil ich ihm natürlich auch in smartem Anzug noch eben ein Mittagessen kredenzt habe. So ist das mit der interkulturellen Kompetenz und der Rollenverteilung.

Nicht, dass ihr jetzt denkt, Sascha hätte sich bedienen lassen! Er hat mir viel geholfen in dieser Woche. Er hat sich zum Beispiel endlich dem Balkon gewidmet, was bei mir hier leider unterging. Ich habe Blumen ausgesucht, er sollte sie einpflanzen. Er fand es zwar seltsam, erblühte Blumen in die Balkonkästen zu setzen, hat sich aber ergeben an die Arbeit gemacht.

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Fast Food auf meinem Balkon

Nach der schwiegerelterlichen Abreise habe ich dann gemerkt, dass die Stiefmütterchen gar traurig die Köpfe hängen lassen. Sascha hatte die Pflänzchen einfach auf die Erde gesetzt und nicht gepflanzt! Da hat er zwar eine ganze Landwirtschaft und zieht jede Pflanze aus dem Samen, aber das auf meinem Balkon war nichts für ihn. Wahrscheinlich fühlte sich das so an wie Fast Food für einen Sternekoch.

Der Höhepunkt der Woche war übrigens das Treffen mit meinem Vater auf dem Kinderspielplatz. Die beiden ehrwürdigen Herren saßen auf der Bank und schauten der Nachkommenschaft beim Buddeln zu.

„Hach“ sagt mein Vater „fast wie in Minsk damals. Nur ohne Wodka!“

Sascha guckt listig. „Mit Wodka!“, sagt er und klopft auf die Tasche seiner Jacke.

Ich bin entsetzt. „Aber nicht hier!“ bringe ich gerade noch hervor.

„Sehe ich SWAT- Ralf, dann müssen wir Bruderschaft trinken!“ insistiert Sascha. Die Väter haben dann abseits vom Spielplatz der Völkerfreundschaft gefröhnt und ich meide jetzt einfach mal für eine Woche den Spielplatz hinterm Haus.

Die anderen Mütter haben sich bestimmt mein Gesicht gemerkt.

 

 

 

 

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