Sänk ju for träwelling.

Ich hatte euch ja noch versprochen zu erzählen, wie unser Trip quer durch Deutschland mit der Deutschen Bahn ablief.

Leider gibt es von Essen nach Dresden keine Direktverbindung, so dass wir zwei Mal umsteigen mussten- in Hannover und in Leipzig.

Gut gelaunt und schwer bepackt starteten meine Schwester und ich gegen neun Uhr morgens und hatten die erste Flasche Desinfektionsmittel schon aufgebraucht, als wir bloß den Bahnsteig erreicht hatten. Die Aufzüge in S-Bahnhöfen sind absolut widerlich hier in Essen.

Natürlich hatte ich Plätze reserviert, für meine Schwester und mich und die mitreisenden Zwerge. Und jetzt ratet mal, wo sich die „Kleinkindplätze“ befanden? In einer Sitzreihe im Großraumwagen. Ohne Kinderwagenstellplatz. Das fing schon prima an. Zwei quirlige 15 Monate alte Kinder an so einem Platz drei Stunden zu bespaßen, war schier unmöglich. Also fragten wir den Schaffner, ob er eine kluge Idee hätte, was wir tun sollten.

„Woher soll ich denn wissen, was Sie machen sollen?“, fragte der erste von vielen ausgesucht freundlichen Zugbegleitern an diesem Tag zurück.

So pampig und das schon um 9 Uhr morgens!
Wir konnten theoretisch zu den anderen Emils in das Mutter- Kind- Abteil (warum der Computer uns nicht dorthin gebucht hatte, wo es doch nicht voll belegt war?), aber die Kindersitze passten nicht durch den Gang im Abteil. Also Kinderwagen auspacken, Kinder unter den Arm klemmen und schon vor Bochum völlig entnervt im Kleinkindabteil bei den anderen reisenden Kindern Platz nehmen.

Kurz vor Hannover hatte der Zug dann Verspätung, so dass wir den Anschlusszug vormerken ließen. Auch im nächsten Zug hatte ich Plätze reserviert und fragte die Zugbegleiterin, ob sie wisse, wo sich Wagen Nr.1 befände, damit wir direkt in die richtige Richtung sprinten konnten. Durch den Zug laufen konnten wir dank der Kinderwägen nicht, das wussten wir ja nun schon.

„Wagen Nummer 1 gibt es sowieso schon mal nicht“, blaffte sie mich an. „Und überhaupt, ich bin mit dem Zug noch nicht gefahren, da müssen Sie schon selbst klar kommen.“ Sie schob mich aus dem Zugbüro und ich war so klug wie zuvor.

20160503_115511In Hannover wuchteten wir die Kinderkutschen aus dem Zug und rannten wie die Irren zum IC auf dem Gleis gegenüber- unser ICE kam natürlich ganz hinten an, während der freundlicher Weise wartetende Zug ganz vorne stand. Im Vorbeirennen schrie ich dem Zugbegleiter zu: „Wagen 1?“ und er rief: „Ganz am anderen Ende!“- Wir sprinteten mit den Kindern in den Tragen und den Kinderwagen den langen Zug entlang. Dort sagte uns die Zugbegleiterin: „Wagen 1? Nein, der ist doch am anderen Ende!“

Der Zugchef bließ schon in seine Trillerpfeife, als wir kehrt machten und dorthin zurück hechteten, wo wir her kamen. Sehr unschön. „Ach, ich dachte, Sie meinten die 1. Klasse!“ sagte der Zugbegleiter unschuldig, als ich wütend an ihm vorbeihetzte. Ist klar.

Das Kinderabteil im neuen, zweistöckigen IC ist übrigens- wer errät es?  In der zweiten Etage! Es ist unmöglich, dort mit dem Kinderwagen hinzukommen, und Kleinkinder werden die steile Treppe sofort als Lieblingsspielplatz entdecken. Da hat doch einer richtig mitgedacht!

Wir haben dann im Untergeschoss Platz genommen- eine andere Wahl hatten wir ja auch nicht. Zum Glück hatte dann in Leipzig zur Abwechslung mal der Anschlusszug Verspätung, so dass wir nicht rennen mussten.

Hach, war das ein Spaß! Sänk ju for träwelling.

 

 

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4 Comments

  1. Da ist es für dich echt schlecht gelaufen. Die Rückfahrt war sicher angenehmer, hoffe ich.
    Ich bin Bahnpendler und habe schon fast alles erlebt. Da bin ich echt froh, dass ich nicht mit im Zug saß, als am Faschingsdienstag zwei unserer Regionalzüge zusammenkrachten. Wie schön und erholsam ist dagegen die Fahrt mit der Elektritschka von Minsk ins Grüne…

  2. Mit der Bahn fahren ist wirklich manchmal eine Katastrophe. Das letzte Mal als ich mit Zug gefahren bin, saß ich ca. drei Stunden bei gefühlten 90 Grad im Zug. Und es wurde schon kostenlos Wasser verteilt, damit die Leute nicht umkippen. Seitdem fahre ich keine Bahn mehr.

    1. Ohja, die Bahn ist immer für eine Geschichte gut. Und damit meine ich nicht lustige Geschichten von Mitreisenden, die zu Freunden werden, wie das in belarussischen Zügen der Fall ist…

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