Wasser marsch!

Diejenigen, die mein Interview in der Redezeit gehört haben, wissen es schon:

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Keine sechs Jahre, nachdem meine Schwiegereltern das Haus im Dorf am Ende der Welt gekauft haben, wird nun auch schon eine Wasserleitung gelegt!

Bisher war es ja so, dass das Wasser aus einem Brunnen kam- und zwar dem auf dem Grundstück der Nachbarin Babuschka Tasja, da der unser Wasser vermischt mit Sand zutage förderte.

Lange lag ich meinem Schwiegervater in den Ohren. „Es ist ja wirklich schön hier. Aber ein Plumpsklo im Hof? Ehrlich? Muss das sein?“ und „Ich würde hier länger bleiben, allerdings finde ich die sanitären Bedingungen wirklich nicht tragbar. Nach zwei Tagen möchte ich immer gerne in Minsk duschen.“

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Idylle im Dorf mit Orlik und dem Huhn, das über den Sommer Eier legen soll.

Er hatte sich zuerst taub gestellt. Für Tamara und ihn war das anscheinend erstens völlig normal und zweitens erinnerte es sie an ihre Kindheit. Wobei selbst das Torfstecherdorf Ganzewitschi Wohungen mit Wasserleitungen aufwies.

Anscheinend gehörte es zu ihrem Selbstverständnis, dass das Leben im Dorf beschwerlich und unkomfortabel sein MUSS, damit es sich richtig anfühlt.

Als dann aber unser Unternehmerfreund Wasja zu Besuch kam und in das selbe Horn blies wie ich, änderte sich die Sachlage. „Ihr habt nicht einmal ein Waschbecken? Was ist das für eine Arbeit, immer das Wasser für den Abwasch anzuschleppen? Wie unpraktisch! Da muss man doch was unternehmen!“

Auf einmal war der Wunsch nach fließendem Wasser nicht mehr die Kapriole der verwöhnten deutschen Großstädterin, sondern eine erstzunehmende Sache, über die es sich lohnte, nachzudenken. Peer group, quasi.

Man setzte sich also an den Tisch (erstmalig vor zwei Jahren) und schrieb „Wasserleitung“ auf ein Blatt Papier,  doppelt unterstrichen. Dann passierte erstmal ein paar Monate: Nichts.

Beim nächsten Aufenthalt erkundigte sich Sascha, ob sein deutsches Lieblingsgeschäft „Thomas Philipps“ Fäkalienpumpen verkauft. Die braucht man nämlich, wenn man in einem Dorf ohne Wasserversorgung eine Wasserleitung und ein WC (und eine Dusche!) bauen möchte.

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So sieht das aus, wenn im Dorf nach Wasser gebohrt wird.

Es gab viele Besprechungen am Küchentisch, verworfene Pläne, aber letzte Woche kam endlich, endlich eine …öh.. Firma und hat zumindest schon einmal ein Loch gebohrt und es kommt nun reines Wasser aus dem Boden. Bis nun das Badezimmer gebaut ist oder zumindest eine Toilette, wird jedoch wohl ein weiterer Sommer vergehen.

Aber ein Anfang ist gemacht, und das zählt. Sascha sagt allerdings, er wird trotzdem weiterhin das Plumpsklo nutzen…

Mittlerweile habe ich richtig- ja, was ist es? Fernweh? Heimweh? Sehnsucht? Nach Belarus, insbesondere nach dem Dorf und den Erdbeeren, Pfifferlingen, dem Schaschlik und dem frischen Salat direkt aus dem Garten. Ich freue mich, dass es in knapp 4 Wochen losgeht und darauf, in die Weite zu schauen, Kornblumen zu pflücken und alle wieder zu sehen. Auch Orlik, das furzende Pferd.

 

 

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3 Comments

  1. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen.Vielen Dank für die tollen Informationen.

    Gruß Sandra

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