Extraschicht

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Gestern war eine besondere Nacht für das Ruhrgebiet. Dann, wenn in Belarus und bei IKEA die Sommersonnenwende gefeiert werden, begeht man hier die Extraschicht.

Jeder kennt Midsommar durch die IKEA-Werbung. In vielen Ländern wird die kürzeste Nacht des Jahres gefeiert.

In Belarus heißt diese Feier „Kupalle“ oder „Soncavarot“. Traditionell flechten die Frauen Blumenkränze, man tanzt um ein Feuer, und Verliebte springen Hand in Hand über dieses Feuer, wenn es heruntergebrannt ist. Man feiert es heute zumeist in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli, was an der Verschiebung der Kalender liegt, die ja auch dazu führt, dass man den Tag der Oktoberrevolution im November begeht.

 

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Soncavarot in Strochycy. Foto: Maryna Varabei

Mein liebster Ort für die Feier dieses belarussischen Sommerfestes ist das Museum für belarussische Architektur und Lebensart in Strochycy. Dort gibt es ein großes Feuer, die Atmosphäre eines ganz alten Dorfes und viele Frauen in traditioneller Tracht.

 

Im Ruhrgebiet leben wir ja eher mit dem Erbe der Industrie, weshalb wir zu dieser Jahreszeit seit ein paar Jahren die „Nacht der Industriekultur“ in einer „Extraschicht“ begehen.

Diese Feier des Strukturwandels ist ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Ruhrgebietes. An verschiedenen Spielorten verbinden sich in dieser Nacht Kultur und Industrie. Es gibt Klassikkonzerte in einer alten Zeche, Lesungen in einem Schiffshebewerk, Poetry-Slams in einer U-Bahn Linie. Das ganze Ruhrgebiet ist in dieser Nacht auf den Beinen und alle Städte kooperieren. Es gibt Shuttle- Busse, die von einem Spielort zum nächsten fahren und die Menschen entdecken neue Facetten der Gebäude, die oft eine lange Geschichte von Schweiß und ehrlicher Arbeit mit sich bringen.

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Extraschicht, hier im Bergbaumuseum. Foto: Extraschicht

© RTG/ Geisler

Als großer Extraschicht-Fan war es mit eine außerordentliche Ehre, gestern selbst dort aus „Liebesgrüße aus Minsk“ lesen zu können! Das Unperfekthaus in Essen hat ein Autorenformat, das Literaturstudio, das gestern in der ehemaligen Zeche Concordia in Oberhausen in bezaubernder Atmosphäre auftrat.

Die Lesung, wenn auch kurz, hat wieder großen Spaß bereitet, und es war spannend, gemeinsam mit anderen Autoren aufzutreten, die Kurzgeschichten, Poesie und Politisches vortrugen.

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Gelesen haben wir in der ehemaligen Suppenküche, anschließend konnten wir einem Gaukler zuschauen, Stockbrot backen, ein Konzert anhören und einen Zauberer und Bauchredner bestaunen.

Ich finde, diese Extraschicht ist eine wunderbare Art, die Sommersonnenwende im Ruhrgebiet zu begehen. Unser Herz ist aus Gold, unsere Seele aus Stahl!😉

 

 

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