Ohne Visum: Reisen nach Belarus wird einfacher

Foto: Tut.by

Am 26.10.2016 wurde die zweite Visa-freie Zone in Belarus eingerichtet: Sie befindet sich im Naturschutzgebiet um den Augustów-Kanal im Länderdreieck zwischen Polen, Litauen und Belarus.

Belarus hat ja oft den Ruf, ein weißer Fleck auf der Landkarte zu sein- oder eben die unbekannte Mitte Europas. Das mag auch daran liegen, dass es sich um eines der wenigen Länder auf unserem Kontinent handelt, für das man als EU-Bürger ein Visum benötigt.

Es ist übrigens gar nicht so schwer, eines zur erhalten. Wie das geht, habe ich letztens in einem Beitrag für die Fernsucht- Seite des Piper Verlages beschrieben.

Vorsichtige Öffnung für Touristen

In Belarus sträubt man sich ein wenig gegen die Öffnung des Landes, vorsichtig gesagt. In dieser Woche wurde allerdings bereits die zweite Zone eingerichtet, für die Touristen kein Visum benötigen.

Sie befindet sich im Westen des Landes im Hrodnaer Gebiet an der Grenze zu Polen und Litauen im Naturschutzgebiet um den Augustów- Kanal. Bis zu fünf Tage dürfen Touristen ohne Visum im Nationalpark und den angrenzenden Gebieten verweilen.

Hierfür müssen sie lediglich eine Erlaubnis erhalten, sich im Naturschutzgebiet aufzuhalten. Dies können sie bei belarussischen Reiseagenturen tun. Ihr Kommen müssen sie bis zu 24 Stunden vor ihrer Ankunft anmelden, dann können sie über vier Grenzübergänge in den Park gelangen. Alle benötigten Formulare sowie weitere Informationen findet man auf einer eigens eingerichteten Webseite der belarussischen Behörden.

Minsk ist nicht Teil der Visa-freien Zone

Die Besucher des Augustów- Nationalparkes dürfen neben dem Park auch das umliegende Gebiete besuchen; hierzu zählt unter anderem die wunderschöne Gebietshauptstadt Hrodna (Grodno). Minsk und die anderen Gebietshauptstädte befinden sich außerhalb der Visa-freien Zone, so dass ihr Besuch als Ordnungswidrigkeit gälte.

Dennoch gilt diese Öffnung als absolutes Novum in der Geschichte des unabhängigen Belarus. Durch die neue Regelung erleben nicht nur Touristen und Naturfreunde, sondern auch Polen und Litauer eine vereinfachte Einreise nach Belarus. Das könnte ein erster Testlauf sein, wie sich eine Öffnung auch für regulären Grenzverkehr ohne Visum umsetzen lässt.

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Der Visa-freie Zugang zum Nordwesten des Landes ist übrigens nicht der erste seiner Art:

Seit Sommer 2015 besteht auch die Möglichkeit, den polnisch-belarussischen Nationalpark Belovezhshkaya Pushcha ohne Visum zu besuchen. Hier reichen ein Personalausweis und ein Ticket für den Nationalpark, um sich bis zu drei Tage auf seinem Gebiet aufzuhalten. Neben den Zubry, den europäischen Wisenten,  wohnt der Legende nach übrigens auch Ded Moroz (das russische Väterchen Frost) im dortigen „Urwald“ und freut sich ganzjährig über Besuch.

Tourismus als Wirtschaftszweig bisher vernachlässigt

Wie wir alle wissen, wurde das Thema Tourismus von den belarussischen Behörden bisher eher stiefkindlich behandelt. Mittlerweile hat man aber wohl erkannt, dass es einerseits nicht mehr möglich ist, diesen Wirtschaftszweig zu vernachlässigen, und andererseits auch erkannt, dass Belarus als Reiseland eine Menge zu bieten hat.

Neben der schillernden Hauptstadt Minsk laden auch die Gebietsstädte zum Erkunden ein. Darüber hinaus gibt es in Belarus ein tolles Netzwerk von Ökotourismus- Unterkünften. Viele Privatpersonen bieten Kanutouren an und zeigen den Touristen, was das ganz Besondere in ihrem Land ist: Die unberührte Natur in ihrer gesamten Vielfalt.

Mein Tipp für eure Reiseplanung nach Hrodna:

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1 Comment

  1. Liebe Nadine,

    die Visafreiheit war meine Vision, als ich 2014 die Paddeltour auf dem Augustowski-Kanal unternahm. Immerhin durfte ich mit dem Kajak auf dem Kanal nach Belarus einreisen. Um aber auf der Memel / Neman nach Litauen auszureisen, hätte es eine schriftliche Erlaubnis des Kommandanten der Grenztruppen benötigt, die ich nicht vorweisen konnte. Nach Passage der Dreifachschleuse bei Niemnovo also wieder zurück. An der Schleuse Dambrovka, wo es einen guten Zeltplatz gibt, fand tags darauf – wie jedes Jahr am zweitletzten Sonntag im August – das Internationale Schleusenfest statt. Ich kann jedem empfehlen, dieses Festival mit Trachten, Tänzen, Schaschlik und jeder Menge netter Leute zu besuchen.
    Die Ausreise vollzog sich unwirklich chaotisch. Ich kam zur vereinbarten Uhrzeit an der Grenzschleuse Kurzyniec an, es waren aber nur die Grenztruppen da, aber kein Zoll. Dieser musste extra von Grodno herbeigerufen werden, ehe ich nach zwei Stunden Wartezeit – bewacht von einem jungen Rekruten – nach Polen ausreisen konnte.

    Ich bin gespannt, ob es 2017 wirklich so einfach geht wie geschildert. Werde es ausprobieren.

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