Zum Welttag der gesunden Ernährung: Mantateller-Fusion

Currywurst

Zum Welttag der gesunden Ernährung fühle ich mich bemüßigt, auch einen Beitrag zu leisten. Das mit der gesunden Ernährung ist hier in Belarus ja zweischneidig. Einerseits gibt es hier ja dank der Datschen einige Woche im Jahr herrlichstes Bio-Demeter-Gemüse aus eigenem Anbau. Das ist besonders dann schön, wenn die Datscha nicht allzu nah an der nach Tschernobyl verseuchten Zone liegt.

Eingemacht wird, was auf der Datscha wächst
Eingemacht wird, was auf der Datscha wächst

Dinge, die in Deutschland Luxusgut sind, gibt es hier dann im Überschwang: Blaubeeren, Erdbeeren (richtige, sonnengereifte, handgepflückte), Himbeeren, Moosbeeren, Steinpilze und Pfifferlinge zum Beispiel.

Den Rest des Jahres aber, wenn gerade nicht Erntezeit ist, steht es bedeutend schlechter um den Vitamingehalt an belarussischen Tischen. Anstatt die frische Ernte einzufrieren wird alles totmariniert. Gurken werden in Salzlake verpackt, Pilze in Schleim (was ist das, was so Fäden zieht mit den Butterpilzen?), Apfel, Tomaten, Gurken, Paprika, alles wird in Einweckgläsern haltbar gemacht. Das liegt natürlich daran, dass die Kühlschrankfabrik Atlant noch nicht so lange Eisschränke herstellt.

Die belarussische Küche ist an sich eine sehr fettige und vitaminarme. Sie besteht hauptsächlich aus Kartoffeln, die in irgendeiner Form in Fett gebraten werden, Fleisch und dazu Sauerrahm. Als Gemüsebeilage gibt es dann oft eingelegten Kohl oder marinierte Tomaten. Demnach ist die belarussische Küche zwar sehr lecker- aber durchaus nicht immer vorteilhaft für die Figur. In meiner Gastfamilie habe ich damals innerhalb von vier Monaten acht Kilo zugenommen und es ist mir bis heute ein Rätsel, wie ich es geschafft habe, mir einen Ehemann anzulachen, während ich aufging wie ein Heliumballon.

Draniki
Draniki

Es  würde also einem Volk, das glaubt, Blaubeermarmelade enthalte viele gesunde Vitamine, ein Welttag der gesunden Ernährung nicht schlecht zu Gesicht stehen. Unser Volkskalender, der jeden Feiertag treu verzeichnet, verschweigt uns diesen Tag jedoch. Im Winter sehen die meisten Belarussen, und vor allem ihre Kinder, sehr anämisch und blass aus. Das ist kein Wunder, wenn die einzigen „lebenden“ Gemüsesorten, die sie essen, Weißkohl und rote Bete sind. Dies ist zwar gesund, aber dennoch einseitig. Es muss sicher keine Zuchthimbeere oder Flugananas mitten im Winter sein, und auf frische Tomate verzichte ich dieser Tage gerne, blaß und geschmacklos, wie diese Holländer sind. Ein wenig Rohkost kann aber sicher nicht schaden.

Um mich den hiesigen Gepflogenheit anzupassen, warte ich darum mit einem garantiert ungesunden Gericht aus meiner Heimat, dem Ruhrgebiet, in seiner belarussifizierten Variante auf:

Manta-Teller

Hierfür braucht man:

  • einen Sack Tiefkühlpommes und importiertes Backpapier, da auf dem hiesigen alles doch anbappt
  • Frankfurterskie oder Doktorskie Würstchen, ca. 10 Stück für ein Familienabendessen
  • Tomatensauce „Krasnodarskij“
  • Tomatensauce „K Shashliku“
  • Curry, Paprikapulver und Salz
  • Mayonaise
  • für ganz Verwegene: frische Gurken, Tomaten und Paprika, um daraus einen Salat zu schnippeln
PMC- Zutaten
PMC- Zutaten

Zubereitung:

  • Backofen vorheizen und Pommes nach Anleitung knusprig backen, anschließend salzen, Mayonaise darüber geben
  • Würstchen schneiden, zusammen mit den Sauce erhitzen
  • mit Curry und Paprika abschmecken
  • aus der Rohkost einen Salat zubereiten, der mit Smetana oder Essig und Öl angemacht wird.

Smachna esci!

Mantateller
Mantateller

5 Comments

  1. Es trifft ja zu, dass die belarussische Küche reichhaltig und meistens schwer ist. Es gibt aber auch Abwechslung, finde ich, gerade was das Haltbarmachen angeht. Pilze z.B. muss man nicht nur einsalzen, man kann sie auch silieren, also milchsauer analog Sauerkraut aufbereiten. Das Gleiche gilt für Gurken – man kann sie mit wenig Salz einlegen und ebenfalls milchsauer vergären. Hat den Vorteil, dass man unterschiedliche Gärstadien und damit Geschmacksrichtungen hat (halten dann aber nicht solange). Funktioniert auch mit anderem Gemüse – Karotten, Tomaten (auch grüne). Weißkohl / Sauerkraut existiert in vielfach verschiedenen Stadien und schmeckt jedesmal anders.
    Es gibt in Minsk spezielle Kurse, die sich darauf spezialisieren, mit wenigen Zutaten abwechslungsreich und gesund zu kochen. Geht hauptsächlich natürlich nur dann, wenn frische Ware da ist (Datsche).
    Ab und zu kann man frische (lebende) Fische kaufen, hauptsächlich Karpfen und Amur, z.B. anläßlich der Ярмарки рыба. Heute fand wieder so einer am Дворец Спорта statt. Auch wird dort aus Gulaschkanonen die kostliche Fischsuppe Уха ausgeschenkt. Schmeckt köstlich.

    1. Das mit den Kursen ist ja spannend! Bei mir gibt es ohnehin gemüselastige Fusionküche, aber es wäre mal interessant, darüber zu schreiben! Fische gibt es mittlerweile (oder schon lange?) ganzjährig lebend zu kaufen. Direkt im Zentrum ist zum Biespiel das Geschäft „OKEAN“, dort gibt es lebende Karpfen. Allerdings sind gegen das dortige Auqarium die Pangasiusfarmen in Vietnam echt Biohöfe. Und ich persönlich mag Karpfen nicht gerne und leider auch keine Flußfische- was in einem Binnenland natürlich irgendwie blöd ist.
      Mein Schwiegervaterkocht tolle Ucha über dem offenen Lagerfeuer. An irgendeiner Stelle kommt auch noch Wodka rein und es wird mit einem Holzscheit abgelöscht. Und anschließend lacht er mich aus, wenn ich die mitgekochten Fischköpfe aussortiere B-)…

      1. Das sind dann bestimmt die tollen Momente – Ucha überm Lagerfeuer. Du kannst Dich glücklich schätzen, so etwas so genießen zu können.
        „OKEAN“: Karpfen auch im Sommer? Werde ich mal schauen. Sollte eigentlich nicht sein (nur in den Monaten mit „r“).
        Wegen den Kochkursen frage ich mal meine Bekannte, die diese schon länger absolviert.
        Gruß ins winterliche Minsk.

      2. Zumindest Ende Juli gab es definitiv welche, die sind meiner Schwester nämlich im Geschäft vor die Füße gehüpft, weil das Becken so voll war….

  2. Da grüßt doch Konnopkes Imbiss unter der Hochbahn!

    Sag da doch noch einer, Currywurst sei nicht gesund, zumindest für’s Gemüt!

    Bon apetit!

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